# Reineke Fuchs

## Part 2

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Abend war es geworden, und Reineke wußte, gewöhnlich Liege Rüsteviel nun in seiner Kammer zu Bette, Der ein Zimmermann war, ein tüchtiger Meister. Im Hofe Lag ein eichener Stamm; er hatte, diesen zu trennen, Schon zwei tüchtige Keile hineingetrieben, und oben, Klaffte gespalten der Baum fast ellenweit. Reineke merkt' es, Und er sagte: Mein Oheim, in diesem Baume befindet Sich des Honigs mehr, als Ihr vermutet; nun stecket Eure Schnauze hinein, so tief Ihr möget. Nur rat ich, Nehmt nicht gierig zu viel, es möcht Euch übel bekommen. Meint Ihr, sagte der Bär, ich sei ein Vielfraß? mitnichten! Maß ist überall gut, bei allen Dingen. Und also Ließ der Bär sich betören und steckte den Kopf in die Spalte Bis an die Ohren hinein und auch die vordersten Füße. Reineke machte sich dran, mit vielem Ziehen und Zerren Bracht er die Keile heraus: nun war der Braune gefangen, Haupt und Füße geklemmt; es half kein Schelten noch Schmeicheln. Vollauf hatte der Braune zu tun, so stark er und kühn war, Und so hielt der Neffe mit List den Oheim gefangen. Heulend plärrte der Bär, und mit den hintersten Füßen Scharrt' er grimmig und lärmte so sehr, daß Rüsteviel aufsprang. Was es wäre? dachte der Meister und brachte sein Beil mit, Daß man bewaffnet ihn fände, wenn jemand zu schaden gedächte. Braun befand sich indes in großen ängsten; die Spalte Klemmt' ihn gewaltig, er zog und zerrte, brüllend vor Schmerzen. Aber mit alle der Pein war nichts gewonnen; er glaubte Nimmer von dannen zu kommen; so meint' auch Reineke freudig. Als er Rüsteviel sah von ferne schreiten, da rief er: Braun, wie steht es? Mäßiget Euch und schonet des Honigs! Sagt, wie schmeckt es? Rüsteviel kommt und will Euch bewirten! Nach der Mahlzeit bringt er ein Schlückchen, es mag Euch bekommen!

Da ging Reineke wieder nach Malepartus, der Feste. Aber Rüsteviel kam, und als er den Bären erblickte, Lief er, die Bauern zu rufen, die noch in der Schenke beisammen Schmauseten. Kommt! so rief er: in meinem Hofe gefangen Hat sich ein Bär, ich sage die Wahrheit. Sie folgten und liefen, Jeder bewehrte sich eilig, so gut er konnte. Der eine Nahm die Gabel zur Hand, und seinen Rechen der andre, Und der dritte, der vierte, mit Spieß und Hacke bewaffnet, Kamen gesprungen, der fünfte mit einem Pfahle gerüstet. Ja, der Pfarrer und Küster, sie kamen mit ihrem Geräte. Auch die Köchin des Pfaffen (sie hieß Frau Jutte, sie konnte Grütze bereiten und kochen wie keine) blieb nicht dahinten, Kam mit dem Rocken gelaufen, bei dem sie am Tage gesessen, Dem unglücklichen Bären den Pelz zu waschen. Der Braune Hörte den wachsenden Lärm in seinen schrecklichen Nöten, Und er riß mit Gewalt das Haupt aus der Spalte; da blieb ihm Haut und Haar des Gesichts bis zu den Ohren im Baume. Nein! kein kläglicher Tier hat jemand gesehen! es rieselt' Über die Ohren das Blut. Was half ihm, das Haupt zu befreien? Denn es blieben die Pfoten im Baume stecken; da riß er Hastig sie ruckend heraus; er raste sinnlos, die Klauen Und von den Füßen das Fell blieb in der klemmenden Spalte. Leider schmeckte dies nicht nach süßem Honig, wozu ihm Reineke Hoffnung gemacht; die Reise war übel geraten, Eine sorgliche Fahrt war Braunen geworden. Es blutet' Ihm der Bart und die Füße dazu, er konnte nicht stehen, Konnte nicht kriechen, noch gehn. Und Rüsteviel eilte, zu schlagen, Alle fielen ihn an, die mit dem Meister gekommen; Ihn zu töten, war ihr Begehr. Es führte der Pater Einen langen Stab in der Hand und schlug ihn von ferne. Kümmerlich wandt er sich hin und her, es drängt' ihn der Haufen, Einige hier mit Spießen, dort andre mit Beilen, es brachte Hammer und Zange der Schmied, es kamen andre mit Schaufeln, Andre mit Spaten, sie schlugen drauflos und riefen und schlugen, Daß er vor schmerzlicher Angst im eignem Unflat sich wälzte. Alle setzten ihm zu, es blieb auch keiner dahinten; Der krummbeinige Schloppe mit dem breitnasigen Ludolf Waren die Schlimmsten, und Gerold bewegte den hölzernen Flegel Zwischen den krummen Fingern; ihm stand sein Schwager zur Seite, Kückelrei war es, der dicke, die beiden schlugen am meisten. Abel Quack und Frau Jutte dazu, sie ließens nicht fehlen; Talke Lorden Quacks traf mit der Butte den Armen. Und nicht diese Genannten allein, denn Männer und Weiber, Alle liefen herzu und wollten das Leben des Bären. Kückelrei machte das meiste Geschrei, er dünkte sich vornehm: Denn Frau Willigetrud am hinteren Tore (man wußt es) War die Mutter, bekannt war nie sein Vater geworden. Doch es meinten die Bauern, der Stoppelmäher, der schwarze Sander, sagten sie, möcht es wohl sein, ein stolzer Geselle, Wenn er allein war. Es kamen auch Steine gewaltig geflogen, Die den verzweifelten Braunen von allen Seiten bedrängten. Nun sprang Rüsteviels Bruder hervor und schlug mit dem langen, Dicken Knüttel den Bären aufs Haupt, daß Hören und Sehen Ihm verging, doch fuhr er empor vom mächtigen Schlage. Rasend fuhr er unter die Weiber, die untereinander Taumelten, fielen und schrien, und einige stürzten ins Wasser, Und das Wasser war tief. Da rief der Pater und sagte: Sehet, da unten schwimmt Frau Jutte, die Köchin, im Pelze, Und der Rocken ist hier! O helft, ihr Männer! Ich gebe Bier zwei Tonnen zum Lohn und großen Ablaß und Gnade. Alle ließen für tot den Bären liegen und eilten Nach den Weibern ans Wasser, man zog aufs Trockne die fünfe. Da indessen die Männer am Ufer beschäftiget waren, Kroch der Bär ins Wasser vor großem Elend und brummte Vor entsetzlichem Weh. Er wollte sich lieber ersäufen, Als die Schläge so schändlich erdulden. Er hatte zu schwimmen Nie versucht und hoffte sogleich das Leben zu enden. Wider Vermuten fühlt' er sich schwimmen, und glücklich getragen Ward er vom Wasser hinab, es sahen ihn alle die Bauern, Riefen: Das wird uns gewiß zur ewigen Schande gereichen! Und sie waren verdrießlich und schalten über die Weiber: Besser blieben sie doch zu Hause! da seht nun, er schwimmet Seiner Wege. Sie traten herzu, den Block zu besehen, Und sie fanden darin noch Haut und Haare vom Kopfe Und von den Füßen und lachten darob und riefen: Du kommst uns Sicher wieder, behalten wir doch die Ohren zum Pfande! So verhöhnten sie ihn noch über den Schaden, doch war er Froh, daß er nur dem übel entging. Er fluchte den Bauern, Die ihn geschlagen, und klagte den Schmerz der Ohren und Füße, Fluchte Reineken, der ihn verriet. Mit solchen Gebeten Schwamm er weiter, es trieb ihn der Strom, der reißend und groß war, Binnen weniger Zeit fast eine Meile hinunter; Und da kroch er ans Land am selbigen Ufer und keichte. Kein bedrängteres Tier hat je die Sonne gesehen! Und er dachte den Morgen nicht zu erleben, er glaubte Plötzlich zu sterben und rief. O Reineke, falscher Verräter! Loses Geschöpf!. Er dachte dabei der schlagenden Bauern, Und er dachte des Baums und fluchte Reinekens Listen.

Aber Reineke Fuchs, nachdem er mit gutem Bedachte Seinen Oheim zu Markte geführt, ihm Honig zu schaffen, Lief er nach Hühnern, er wußte den Ort, und schnappte sich eines, Lief und schleppte die Beute behend am Flusse hinunter. Dann verzehrt' er sie gleich und eilte nach andern Geschäften Immer am Flusse dahin und trank des Wassers und dachte: O wie bin ich so froh, daß ich den tölpischen Bären So zu Hofe gebracht! Ich wette, Rüsteviel hat ihm Wohl das Beil zu kosten gegeben. Es zeigte der Bär sich Stets mir feindlich gesinnt, ich hab es ihm wieder vergolten. Oheim hab ich ihn immer genannt, nun ist er am Baume Tot geblieben; des will ich mich freun, solang ich nur lebe. Klagen und schaden wird er nicht mehr!--Und wie er so wandelt, Schaut er am Ufer hinab und sieht den Bären sich wälzen. Das verdroß ihm im Herzen, daß Braun lebendig entkommen. Rüsteviel, rief er, du lässiger Wicht! du grober Geselle! Solche Speise verschmähst du? die fett und guten Geschmacks ist, Die manch ehrlicher Mann sich wünscht, und die so gemächlich Dir zu Handen gekommen. Doch hat für deine Bewirtung Dir der redliche Braun ein Pfand gelassen! So dacht er, Als er den Braunen betrübt, ermattet und blutig erblickte. Endlich rief er ihn an: Herr Oheim, find ich Euch wieder? Habt Ihr etwas vergessen bei Rüsteviel? sagt mir, ich lass ihm Wissen, wo Ihr geblieben. Doch soll ich sagen, ich glaube, Vieles Honig habt Ihr gewiß dem Manne gestohlen, Oder habt Ihr ihn redlich bezahlt? wie ist es geschehen? Ei! wie seid Ihr gemalt? das ist ein schmähliches Wesen! War der Honig nicht guten Geschmacks; Zu selbigem Preise Steht noch manches zu Kauf! Doch, Oheim, saget mir eilig, Welchem Orden habt Ihr Euch wohl so kürzlich gewidmet, Daß Ihr ein rotes Barett auf Eurem Haupte zu tragen Anfangt? Seid Ihr ein Abt? Es hat der Bader gewißlich, Der die Platte Euch schor, nach Euren Ohren geschnappet. Ihr verloret den Schopf, wie ich sehe, das Fell von den Wangen Und die Handschuh dabei. Wo habt Ihr sie hängen gelassen? Und so mußte der Braune die vielen spöttischen Worte Hintereinander vernehmen und konnte vor Schmerzen nicht reden, Sich nicht raten noch helfen. Und um nicht weiter zu hören, Kroch er ins Wasser zurück und trieb mit dem reißenden Strome Nieder und landete drauf am flachen Ufer. Da lag er, Krank und elend, und jammerte laut und sprach zu sich selber: Schlüge nur einer mich tot! Ich kann nicht gehen und sollte Nach des Königes Hof die Reise vollenden, und bleibe So geschändet zurück von Reinekens bösem Verrate. Bring ich mein Leben davon, gewiß, dich soll es gereuen! Doch er raffte sich auf und schleppte mit gräßlichen Schmerzen Durch vier Tage sich fort, und endlich kam er zu Hofe.

Als der König den Bären in seinem Elend erblickte, Rief er: Gnädiger Gott! Erkenn ich Braunen? Wie kommt er So geschändet? Und Braun versetzte: Leider erbärmlich Ist das Ungemach, das Ihr erblickt; so hat mich der Frevler Reineke schändlich verraten! Da sprach der König entrüstet: Rächen will ich gewiß ohn alle Gnade den Frevel. Solch einen Herrn wie Braun, den sollte Reineke schänden? Ja, bei meiner Ehre, bei meiner Krone! das schwör ich, Alles soll Reineke büßen, was Braun zu Rechte begehret. Halt ich mein Wort nicht, so trag ich kein Schwert mehr, ich will es geloben!

Und der König gebot, es solle der Rat sich versammeln, Überlegen und gleich der Frevel Strafe bestimmen. Alle rieten darauf, wofern es dem König beliebte, Solle man Reineken abermals fordern, er solle sich stellen, Gegen Anspruch und Klage sein Recht zu wahren. Es könne Hinze, der Kater, sogleich die Botschaft Reineken bringen, Weil er klug und gewandt sei. So rieten sie alle zusammen.

Und es vereinigte sich der König mit seinen Genossen, Sprach zu Hinzen: Merket mir recht die Meinung der Herren! Ließ' er sich aber zum drittenmal fordern, so soll es ihm selbst und Seinem ganzen Geschlecht zum ewigen Schaden gereichen; Ist er klug, so komm er inzeiten. Ihr schärft ihm die Lehre; Andre verachtet er nur, doch Eurem Rate gehorcht er.

Aber Hinze versetzte: Zum Schaden oder zum Frommen Mag es gereichen, komm ich zu ihm, wie soll ichs beginnen? Meinetwegen tut oder laßt es, aber ich dächte, Jeden andern zu schicken, ist besser, da ich so klein bin. Braun, der Bär, so groß und stark, und konnt ihn nicht zwingen, Welcher Weise soll ich es enden? O! habt mich entschuldigt.

Du beredest mich nicht, versetzte der König: man findet Manchen kleinen Mann voll List und Weisheit, die manchem Großen fremd ist. Seid Ihr auch gleich kein Riese gewachsen, Seid Ihr doch klug und gelehrt. Da gehorchte der Kater und sagte: Euer Wille geschehe! und kann ich ein Zeichen erblicken Rechter Hand am Wege, so wird die Reise gelingen.

Dritter Gesang

Nun war Hinze, der Kater, ein Stückchen Weges gegangen; Einen Martins-Vogel erblickt' er von weitem, da rief er: Edler Vogel! Glück auf. o wende die Flügel und fliege Her zu meiner Rechten! Es flog der Vogel und setzte Sich zur Linken des Katers, auf einem Baume zu singen. Hinze betrübte sich sehr, er glaubte sein Unglück zu hören, Doch er machte nun selber sich Mut, wie mehrere pflegen. Immer wandert' er fort nach Malepartus, da fand er Vor dem Hause Reineken sitzen, er grüßt' ihn und sagte: Gott, der reiche, der gute, bescher Euch glücklichen Abend! Euer Leben bedrohet der König, wofern Ihr Euch weigert, Mit nach Hofe zu kommen; und ferner läßt er Euch sagen: Stehet den Klägern zu Recht, sonst werdens die Eurigen büßen. Reineke sprach: Willkommen dahier, geliebtester Neffe! Möget Ihr Segen von Gott nach meinem Wunsche genießen. Aber er dachte nicht so in seinem verrätrischen Herzen; Neue Tücke sann er sich aus, er wollte den Boten Wieder geschändet nach Hofe senden. Er nannte den Kater Immer seinen Neffen und sagte: Neffe, was setzt man Euch für Speise nur vor? Man schläft gesättiget besser; Einmal bin ich der Wirt, wir gingen dann morgen am Tage Beide nach Hofe: so dünkt es mich gut. Von meinen Verwandten Ist mir keiner bekannt, auf den ich mich lieber verließe. Denn der gefräßige Bär war trotzig zu mir gekommen. Er ist grimmig und stark, daß ich um vieles nicht hätte Ihm zur Seite die Reise gewagt. Nun aber versteht sichs, Gerne geh ich mit Euch. Wir machen uns frühe des Morgens Auf den Weg: so scheinet es mir das beste geraten. Hinze versetzte darauf. Es wäre besser, wir machten Gleich uns fort nach Hofe, so wie wir gehen und stehen. Auf der Heide scheinet der Mond, die Wege sind trocken. Reineke sprach: Ich finde bei Nacht das Reisen gefährlich, Mancher grüßet uns freundlich bei Tage, doch käm er im Finstern Uns in den Weg, es möchte wohl kaum zum besten geraten. Aber Hinze versetzte: So laßt mich wissen, mein Neffe, Bleib ich hier, was sollen wir essen? Und Reineke sagte: Ärmlich behelfen wir uns; doch wenn Ihr bleibet, so bring ich Frische Honigscheiben hervor, ich wähle die klärsten. Niemals eß ich dergleichen, versetzte murrend der Kater: Fehlet Euch alles im Hause, so gebt eine Maus her! Mit dieser Bin ich am besten versorgt, und sparet das Honig für andre. Eßt Ihr Mäuse so gern? sprach Reineke: redet mir ernstlich; Damit kann ich Euch dienen. Es hat mein Nachbar, der Pfaffe, Eine Scheun im Hofe, darin sind Mäuse, man führe Sie auf keinem Wagen hinweg: ich höre den Pfaffen Klagen, daß sie bei Nacht und Tag ihm lästiger werden. Unbedächtig sagte der Kater: Tut mir die Liebe, Bringet mich hin zu den Mäusen! denn über Wildbret und alles Lob ich mir Mäuse, die schmecken am besten. Und Reineke sagte: Nun wahrhaftig, Ihr sollt mir ein herrliches Gastmahl genießen. Da mir bekannt ist, womit ich Euch diene, so laßt uns nicht zaudern.

Hinze glaubt' ihm und folgte; sie kamen zur Scheune des Pfaffen, Zu der lehmernen Wand. Die hatte Reineke gestern Klug durchgraben und hatte durchs Loch dem schlafenden Pfaffen Seiner Hähne den besten entwendet. Das wollte Martinchen Rächen, des geistlichen Herrn geliebtes Söhnchen; er knüpfte Klug vor die öffnung den Strick mit einer Schlinge; so hofft' er Seinen Hahn zu rächen am wiederkehrenden Diebe. Reineke wußt und merkte sich das und sagte: Geliebter Neffe, kriechet hinein gerade zur öffnung; ich halte Wache davor, indessen Ihr mauset; Ihr werdet zu Haufen Sie im Dunkeln erhaschen. O höret, wie munter sie pfeifen! Seid Ihr satt, so kommt nur zurück, Ihr findet mich wieder. Trennen dürfen wir nicht uns diesen Abend, denn morgen Gehen wir früh und kürzen den Weg mit muntern Gesprächen. Glaubt Ihr, sagte der Kater, es sei hier sicher zu kriechen? Denn es haben mitunter die Pfaffen auch Böses im Sinne. Da versetzte der Fuchs, der Schelm: Wer konnte das wissen! Seid Ihr so blöde? Wir gehen zurück: es soll Euch mein Weibchen Gut und mit Ehren empfangen, ein schmackhaft Essen bereiten; Wenn es auch Mäuse nicht sind, so laßt es uns fröhlich verzehren. Aber Hinze, der Kater, sprang in die öffnung, er schämte Sich vor Reinekens spottenden Worten, und fiel in die Schlinge. Also empfanden Reinekens Gäste die böse Bewirtung.

Da nun Hinze den Strick an seinem Halse verspürte, Fuhr er ängstlich zusammen und übereilte sich furchtsam, Denn er sprang mit Gewalt: da zog der Strick sich zusammen. Kläglich rief er Reineken zu, der außer dem Loche Horchte, sich hämisch erfreute und so zur öffnung hineinsprach: Hinze, wie schmecken die Mäuse? Ihr findet sie, glaub ich, gemästet. Wüßte Martinchen doch nur, daß Ihr sein Wildbret verzehret; Sicher brächt er Euch Senf: er ist ein höflicher Knabe. Singet man so bei Hofe zum Essen? Es klingt mir bedenklich. Wüßt ich Isegrim nur in diesem Loche, so wie ich Euch zu Falle gebracht, er sollte mir alles bezahlen, Was er mir übels getan! Und so ging Reineke weiter. Aber er ging nicht allein, um Diebereien zu üben; Ehbruch, Rauben und Mord und Verrat, er hielt es nicht sündlich. Und er hatte sich eben was ausgesonnen. Die schöne Gieremund wollt er besuchen, in doppelter Absicht: fürs erste Hofft er von ihr zu erfahren, was eigentlich Isegrim klagte; Zweitens wollte der Schalk die alten Sünden erneuern. Isegrim war nach Hofe gegangen, das wollt er benutzen. Denn wer zweifelt daran, es hatte die Neigung der Wölfin Zu dem schändlichen Fuchse den Zorn des Wolfes entzündet. Reineke trat in die Wohnung der Frauen und fand sie nicht heimisch. Grüß euch Gott! Stiefkinderchen! sagt' er, nicht mehr und nicht minder, Nickte freundlich den Kleinen und eilte nach seinem Gewerbe. Als Frau Gieremund kam des Morgens, wie es nur tagte, Sprach sie: Ist niemand kommen, nach mir zu fragen? Soeben Geht Herr Pate Reineke fort, er wünscht' Euch zu sprechen. Alle, wie wir hier sind, hat er Stiefkinder geheißen. Da rief Gieremund aus: Er soll es bezahlen! und eilte, Diesen Frevel zu rächen zur selben Stunde. Sie wußte, Wo er pflegte zu gehn; sie erreicht' ihn, zornig begann sie: Was für Worte sind das? und was für schimpfliche Reden Habt Ihr ohne Gewissen vor meinen Kindern gesprochen? Büßen sollt Ihr dafür! So sprach sie zornig und zeigt' ihm Ein ergrimmtes Gesicht; sie faßt' ihn am Barte, da fühlt' er Ihrer Zähne Gewalt und lief und wollt ihr entweichen; Sie behend strich hinter ihm drein. Da gab es Geschichten-- Ein verfallenes Schloß war in der Nähe gelegen, Hastig liefen die beiden hinein; es hatte sich aber Altershalben die Mauer in einem Turme gespalten. Reineke schlupfte hindurch; allein er mußte sich zwängen, Denn die Spalte war eng; und eilig steckte die Wölfin, Groß und stark, wie sie war, den Kopf in die Spalte; sie drängte, Schob und brach und zog und wollte folgen, und immer Klemmte sie tiefer sich ein und konnte nicht vorwärts noch rückwärts. Da das Reineke sah, lief er zur anderen Seite Krummen Weges herein und kam und macht' ihr zu schaffen. Aber sie ließ es an Worten nicht fehlen, sie schalt ihn: Du handelst Als ein Schelm! ein Dieb! Und Reineke sagte dagegen: Ist es noch niemals geschehn, so mag es jetzo geschehen.

Wenig Ehre verschafft es, sein Weib mit andern zu sparen, Wie nun Reineke tat. Gleichviel war alles dem Bösen. Da nun endlich die Wölfin sich aus der Spalte gerettet, War schon Reineke weg und seine Straße gegangen. Und so dachte die Frau, sich selber Recht zu verschaffen, Ihrer Ehre zu wahren, und doppelt war sie verloren.

Lasset uns aber zurück nach Hinzen sehen. Der Arme, Da er gefangen sich fühlte, beklagte nach Weise der Kater Sich erbärmlich: das hörte Martinchen und sprang aus dem Bette. Gott sei Dank! Ich habe den Strick zur glücklichen Stunde Vor die öffnung geknüpft; der Dieb ist gefangen! Ich denke, Wohl bezahlen soll er den Hahn! So jauchzte Martinchen. Zündete hurtig ein Licht an (im Hause schliefen die Leute), Weckte Vater und Mutter darauf und alles Gesinde, Rief: Der Fuchs ist gefangen! wir wollen ihm dienen. Sie kamen Alle, groß und klein, ja selbst der Pater erhub sich, Warf ein Mäntelchen um; es lief mit doppelten Lichtern Seine Köchin voran, und eilig hatte Martinchen Einen Knüttel gefaßt und machte sich über den Kater, Traf ihm Haut und Haupt und schlug ihm grimmig ein Aug aus. Alle schlugen auf ihn; es kam mit zackiger Gabel Hastig der Pater herbei und glaubte den Räuber zu fällen. Hinze dachte zu sterben; da sprang er wütend entschlossen Zwischen die Schenkel des Pfaffen und biß und kratzte gefährlich, Schändete grimmig den Mann und rächte grausam das Auge. Schreiend stürzte der Pater und fiel ohnmächtig zur Erden. Unbedachtsam schimpfte die Köchin: es habe der Teufel Ihr zum Possen das Spiel selbst angerichtet. Und doppelt, Dreifach schwur sie: wie gern verlöre sie, wäre das Unglück Nicht dem Herren begegnet, ihr bißchen Habe zusammen. Ja, sie schwur: ein Schatz von Golde, wenn sie ihn hätte, Sollte sie wahrlich nicht reuen, sie wollt ihn missen. So jammert' Sie die Schande des Herrn und seine schwere Verwundung. Endlich brachten sie ihn mit vielen Klagen zu Bette, Ließen Hinzen am Strick und hatten seiner vergessen.

Als nun Hinze, der Kater, in seiner Not sich allein sah, Schmerzlich geschlagen und übel verwundet, so nahe dem Tode, Faßt' er aus Liebe zum Leben den Strick und nagt' ihn behende. Sollt ich mich etwa erlösen vom großen übel? so dacht er. Und es gelang ihm, der Strick zerriß. Wie fand er sich glücklich! Eilte, dem Ort zu entfliehn, wo er so vieles erduldet; Hastig sprang er zum Loche heraus und eilte die Straße Nach des Königes Hof, den er des Morgens erreichte. Ärgerlich schalt er sich selbst: So mußte dennoch der Teufel Dich durch Reinekens List, des bösen Verräters, bezwingen! Kommst du doch mit Schande zurück, am Auge geblendet Und mit Schlägen schmerzlich beladen, wie mußt du dich schämen!

