# Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl

## Part 4

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„Ich habe Ihnen viel zu danken. Sie haben meine Schande, die mir lange das Herz abnagte, zutage gebracht. Jenes Lied der Alten kannte ich wohl, die Annerl hatte es mir oft vorgesagt; sie war ein unbeschreiblich edles Geschöpf. Ich war ein elender Verbrecher. Sie hatte ein schriftliches Eheversprechen von mir gehabt und hat es verbrannt. Sie diente bei einer alten Tante von mir, sie litt oft an Melancholie. Ich habe mich durch gewisse medizinische Mittel, die etwas Magisches haben, ihrer Seele bemächtigt. – Gott sei mir gnädig! – Sie haben auch die Ehre meiner Schwester gerettet. Der Herzog liebt sie, ich war sein Günstling – die Geschichte hat ihn erschüttert – Gott helfe mir! Ich habe Gift genommen.

Josef Graf Grossinger.“

Die Schürze der schönen Annerl, in welche ihr der Kopf des Jägers Jürge bei seiner Enthauptung gebissen, ist auf der herzoglichen Kunstkammer bewahrt worden. Man sagt, die Schwester des Grafen Grossinger werde der Herzog mit dem Namen =Voile de Grâce=, auf deutsch „Gnadenschleier“, in den Fürstenstand erheben und sich mit ihr vermählen. Bei der nächsten Revue in der Gegend von D... soll das Monument auf den Gräbern der beiden unglücklichen Ehrenopfer auf dem Kirchhof des Dorfs errichtet und eingeweiht werden. Der Herzog wird mit der Fürstin selbst zugegen sein. Er ist ausnehmend zufrieden damit; die Idee soll von der Fürstin und dem Herzoge zusammen erfunden sein. Es stellt die falsche und wahre Ehre vor, die sich vor einem Kreuze beiderseits gleich tief zur Erde beugen; die Gerechtigkeit steht mit dem geschwungenen Schwerte zur einen Seite, die Gnade zur andern Seite und wirft einen Schleier heran. Man will im Kopfe der Gerechtigkeit Ähnlichkeit mit dem Herzoge, in dem Kopfe der Gnade Ähnlichkeit mit dem Gesichte der Fürstin finden.

Einige Soldatenlieder Clemens Brentanos als Anhang

Kriegslied

Der Herr hat einen Kampf bestellt, Wer Gott liebt, hält zusammen. Es steht in Kriegesflammen Die ganze weite Welt. Der Friede mußt uns drücken, Gewitter war die Zeit, Da wir das Schwert nun zücken, Wird auch der Himmel weit.

Trompeten schmettern durch die Welt, Was heimlich wir getragen. Wir haben unsre Klagen Dem Schwert anheimgestellt. Wenn sich die Monde füllen, Gebiert die Zeit mit Schmerz, Es wuchs durch Geist und Willen Der Sieg ihr unterm Herz!

Musketenschall, Kanonenzorn Es laut verkünden müssen, Es zieht sich aus den Füßen Der Löwe nun den Dorn. Das Kreuz wir lang schon tragen, Das Kreuz der Eisenzeit, Nun wird die Zeit geschlagen Ans Eisenkreuz im Streit.

Nun gehts Trara romdomdidom, Ein jeder darf es sagen, Der Tambour muß es schlagen, Daß es ans Tagslicht komm! Der führt die beste Stimme, Der sich dem Schwert vertraut, Sein Leid in heilgem Grimme Aus Feindesrücken haut.

Hurra! Hurra! nun schlaget drein, Wer nicht gehört, soll fühlen, Der Hoffart wird sich kühlen, Beißt er ins Gras hinein! Ein gute Wehr und Waffen, Ein feste Burg ist Gott, Er hat uns frei erschaffen, Er hilft aus Not und Spott!

Lustiges Soldatenlied

Es leben die Soldaten So recht von Gottes Gnaden, Der Himmel ist ihr Zelt, Ihr Tisch das grüne Feld.

Ihr Bette ist der Rasen, Trompeter müssen blasen, Guten Morgen! gute Nacht! Daß man mit Lust erwacht.

Ihr Wirtsschild ist die Sonne, Ihr Freund die volle Tonne, Ihr Schlafbuhl ist der Mond, Der in der Sternschanz wohnt.

Die Sterne haben Stunden, Die Sterne haben Runden Und werden abgelöst, Drum, Schildwacht, sei getröst.

Wir richten mit dem Schwerte, Der Leib gehört der Erde, Die Seel dem Himmelszelt, Der Rock bleibt in der Welt.

Wer fällt, der bleibet liegen, Wer steht, der kann noch siegen, Wer übrig bleibt, hat recht, Und wer entflieht, ist schlecht!

Zum Hassen oder Lieben Ist alle Welt getrieben, Es bleibet keine Wahl, Der Teufel ist neutral.

Bedienet uns ein Bauer, So schmeckt der Wein fast sauer, Doch ists ein schöner Schatz, So kriegt sie einen Schmatz.

Soldatenkatechismus

Bist matt und müd, so sing ein Lied Aus Herzenslust, das stärkt die Brust.

In höchster Qual fluch wohl einmal, In heißem Streit Gott dirs verzeiht.

Geh in die Schanz froh wie zum Tanz; Heil gibt der Tod, das Leben Not.

Gefangen sein ist große Pein; Viel besser ficht, bis 's Aug dir bricht.

Scheint grausam dir dein Offizier, Bedenke, hart ist Krieges Art.

Der Bürger schwätzt, der Prahler wetzt, Der Krieger ficht; Mensch, richte nicht!

Nicht räsonier, wie man dich führ, Du bist im Plan, man gibt ihn an.

Montur ist eng, Ordnung gestreng, Für alles steht, der vor dir geht.

Halt trocken, rein so Schloß als Stein; Leicht ists geputzt, und viel es nutzt.

Bad', wasche dich, wenns schicket sich, Gesund dichs hält und kost't kein Geld.

Wo du quartiert, hilf gern dem Wirt, Dann tut er dir mehr als Gebühr.

Du bist Soldat, die Kriegestat Sei dein Genuß aus Will und Muß.

Hart ist die Nuß, doch beißt das Muß Den Kern heraus, das sei dein Schmaus.

Sei treu der Fahn stets zugetan; Du schworst bei ihr, nicht desertier!

Mit Magd und Weib nicht Mutwill treib, Die dich gebar, auch beides war.

Getreue Lieb nur Einer gib, Das stärkt in Schlacht und Todesnacht.

Wer alle Tag treibt neuen Scherz, Hat statt dem Herz 'nen Taubenschlag.

Trink nicht zu viel beim Würfelspiel, Das gibt bös' Wort' und bringt in Mord.

Halt auf die Ehr, doch überhör Ein Wort, das leicht vom Munde streicht.

Hart ist die Zeit, such keinen Streit, Als wo der Feind im Feld erscheint.

Schneid kein Gesicht dem Schwächern nicht, Ein Schwacher ist doch auch ein Christ.

Verläumd geschwind kein armes Kind; Wer Böses spricht, sich selber sticht.

Die Landwehr ehr, ihr Dienst ist schwer, Läßt Hof und Haus und hilf dir aus.

In Feindes Land üb keine Schand, Das merkt er sich und schützet dich.

Doch trau auch nicht auf jed Gesicht, Sei streng und mild, ein edles Bild.

Wer als dein Feind gesund erscheint, Dein Bruder wird, ist er blessiert.

Bei Glockenklang und Kirchensang Den Hut fein zieh und beug das Knie.

Wo kein Kapell, die Augen hell Bei Nacht und Tag zum Himmel schlag

Ein Stoßgebet in Not erhöht Des Mannes Mut und stillt das Blut.

Der Morgenstern steht Gott, dem Herrn, Auch vor dem Zelt, ein frommer Held.

Mit Gott und Welt sei stets gestellt Die Rechnung dein hübsch klar und rein.

Dann bist du frei, trifft dich das Blei, Fällt dir dein Los in Gottes Schoß.

Am Morgen sprich: Gott segne mich! Am Abend denk: Gott Schutz mir schenk!

Und in der Schlacht: Gott für mich wacht! Der steht, der fällt, den er bestellt.

Im Lager

Schlummerstille herrscht im Lager, Ohne Regung ruht das Heer, Einsam spähend sieht die Wache Auch nicht einen Feind umher; Kein Geräusch von keiner Seite, Friedensstille rings um mich; In der lang ergoßnen Weite Reget keine Waffe sich.

Schon rührt sich die Trommel, Schon lockt die Trompete, Da hebt sich der Streiter, Da rasselt der Krieg, Da spielen die Winde In flatternden Fahnen, Geschwinde! Geschwinde! Auf blutigen Bahnen Aurora und Eifer, Gewalt, Mut und Sieg!

Husarenlied

Ah bassa manelki teremtete, So bläst der Trompeter, so wünschet ein jeder, Auf daß es nun endlich recht drauf und dran geh! Man streicht sich den Schnurrbart und gibt ihm den Zwick Und wiegt in dem Säbel des Feindes Geschick.

_Chor_: Schlechte Reiter Sind nichts weiter Als sechsbeinige Bärenhäuter.

Ah bassa manelki teremtete! Wir fahren auf Rossen zusammen gegossen Wie die Wetterwolken in himmlischer Höh, Es schmettern wie Blitze die Säbel hervor, Wer fest nicht im Sitze, der kriegt eins ans Ohr.

_Chor_: Schlechte Reiter Sind nichts weiter Als sechsbeinige Bärenhäuter.

Ah bassa manelki teremtete! Wir ungrischen Husaren, wir haben erfahren, Daß der Feind nicht gern in die Augen uns seh, Sein schlechtes Gewissen verträgt kein Gericht, Ins Gras oft gebissen hat vor uns der Wicht.

_Chor_: Schlechte Reiter Sind nichts weiter Als sechsbeinige Bärenhäuter.

Ah bassa manelki teremtete! Mein Säbel, der treue, den Kampf nun erneue, Daß =noster Franciscus Justitiam= seh. Wir Ungern wir schlagen mit dem Säbel auf 'n Tisch, =Protestor= wir sagen, dann geht es von frisch.

_Chor_: Schlechte Reiter Sind nichts weiter Als sechsbeinige Bärenhäuter.

Ah bassa manelki teremtete! Heraus, ihr Neuntöter, Pariser Dekreter, Auf daß man euch a bißl die Kundschaft nachseh, Und wer nicht kapabel mit Füß und mit Hand, Dem schreibet mein Sabel mit Blut aufs Patent:

_Chor_: Schlechte Reiter Sind nichts weiter Als sechsbeinige Bärenhäuter.

Ah bassa manelki teremtete! Wie riecht ihr neubacken, die russ'schen Kosacken, Die suchen euch wahrlich recht gründlich die Flöh. Gespickt mit der Nadel, gespießt und rotiert, Heraus mit dem Bratel, nun wird es transchiert.

_Chor_: Schlechte Reiter Sind nichts weiter Als sechsbeinige Bärenhäuter.

Ah bassa manelki teremtete! Pariser Husaren, die öfters schon waren, Wo seid ihr? Da grunzet ein Schwein in die Höh: Vor Magdeburg hieben die Preußen sie klein, Was übrig geblieben, das fraß ich allein.

_Chor_: Schlechte Reiter Sind nichts weiter Als sechsbeinige Bärenhäuter.

Ah bassa manelki teremtete! Die Sau sah der Unger, sie schwankte vor Hunger, Er sprach: Halt dich immer nur bei der Armee. Ich mäst dich mit Garden, mit lauter Offizier, Die ich mit deiner Schwarten an die Stiefel mir schmier.

_Chor_: Schlechte Reiter Sind nichts weiter Als sechsbeinige Bärenhäuter.

Ah bassa manelki teremtete! Der lügt wie gedrucket, der die Achseln noch zucket, Daß er nicht gehaun noch gestochen euch sah. Dort ließt ihrs im Stiche, hier kriegt ihrs im Hieb, Mit ungrischer Küche nehmt halters vorlieb.

_Chor_: Schlechte Reiter Sind nichts weiter Als sechsbeinige Bärenhäuter.

Ah bassa manelki teremtete! Heraus, was noch übrig, ihr seid ja ganz fiebrig, Heraus nur, ich koch euch 'nen ungrischen Tee. Was nackete Pferschen, potz Himmel und Erd! Ihr habt untern Märschen nur Wölf und kein Pferd.

_Chor_: Schlechte Reiter Sind nichts weiter Als sechsbeinige Bärenhäuter.

Ah bassa manelki teremtete! Ihr könnt einem 's Reiten auf Lebtag verleiden, Streu dich mit Chausseestaub, du große Armee. Dann lerne vom Schneider, zu Wien beim de Bach, Der kanns viel gescheiter, ihr machts ihm schlecht nach.

_Chor_: Schlechte Reiter Sind nichts weiter Als sechsbeinige Bärenhäuter.

Lied der Frauen

Wenn es stürmet auf den Wogen, Sitzt die Schifferin zu Haus, Doch ihr Herz ist hingezogen Auf die weite See hinaus.

Bei jeder Welle, die brandet Schäumend an Ufers Rand, Denkt sie, er strandet, er strandet, Er kehret mir nimmer zum Land.

Bei des Donners wildem Toben Sitzt die Schäferin zu Haus, Doch ihr Herz, das schwebet oben In des Wetters wildem Saus.

Bei jedem Strahle, der klirrte Schmetternd durch Donners Groll, Denkt sie, mein Hirte, mein Hirte Mir nimmermehr kehren soll.

Wenn es in dem Abgrund bebet, Sitzt des Bergmanns Weib zu Haus, Doch ihr treues Herz, das schwebet In des Schachtes dunklem Graus.

Bei jedem Stoße, der rüttet Hallend im dunklen Schacht, Denkt sie, verschüttet, verschüttet Ist mein Knapp in der Erde Nacht.

Wenn die Feldschlacht tost und klirret, Sitzt des Kriegers Weib zu Haus, Doch ihr banges Herz das irret In des Kampfes wilden Strauß.

Bei jedem Knall, jedem Hallen Der Stücke an Bergeswand Denkt sie, gefallen, gefallen Ist mein Held nun fürs Vaterland.

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_Druck der Piererschen Hofbuchdruckerei, Altenburg S.-A._

