# Die Piccolomini

## Part 7

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Octavio. Wie strafbar auch des Fürsten Zwecke waren, Die Schritte, die er öffentlich getan, Verstatteten noch eine milde Deutung. Nicht eher denk ich dieses Blatt zu brauchen, Bis eine Tat getan ist, die unwidersprechlich Der Hochverrat bezeugt und ihn verdammt.

Max. Und wer soll Richter drüber sein?

Octavio. Du selbst.

Max. Oh! dann bedarf es dieses Blattes nie! Ich hab dein Wort, du wirst nicht eher handeln, Bevor du mich--mich selber überzeugt.

Octavio. Ist's möglich? Noch--nach allem, was du weißt, Kannst du an seine Unschuld glauben?

Max. (lebhaft) Dein Urteil kann sich irren, nicht mein Herz. (Gemäßigter fortfahrend.) Der Geist ist nicht zu fassen wie ein andrer. Wie er sein Schicksal an die Sterne knüpft, So gleicht er ihnen auch in wunderbarer, Geheimer, ewig unbegriffner Bahn. Glaub mir, man tut ihm Unrecht. Alles wird Sich lösen. Glänzend werden wir den Reinen Aus diesem schwarzen Argwohn treten sehn.

Octavio. Ich will's erwarten.

Zweiter Auftritt

Die Vorigen. Der Kammerdiener. Gleich darauf ein Kurier.

Octavio. Was gibt's?

Kammerdiener. Ein Eilbot' wartet vor der Tür.

Octavio. So früh am Tag! Wer ist's? Wo kommt er her?

Kammerdiener. Das wollt' er mir nicht sagen.

Octavio. Führ ihn herein. Laß nichts davon verlauten.

(Kammerdiener ab. Kornet tritt ein.)

Seid Ihr's, Kornet? Ihr kommt vom Grafen Gallas? Gebt her den Brief.

Kornet. Bloß mündlich ist mein Auftrag. Der Generalleutnant traute nicht.

Octavio. Was ist's?

Kornet. Er läßt Euch sagen--Darf ich frei hier sprechen?

Octavio. Mein Sohn weiß alles.

Kornet. Wir haben ihn.

Octavio. Wen meint Ihr?

Kornet. Den Unterhändler! Den Sesin!

Octavio. (schnell) Habt ihr?

Kornet. Im Böhmerwald erwischt' ihn Hauptmann Mohrbrand Vorgestern früh, als er nach Regenspurg Zum Schweden unterwegs war mit Depeschen.

Octavio. Und die Depeschen--

Kornet. Hat der Generalleutnant Sogleich nach Wien geschickt mit dem Gefangnen.

Octavio. Nun endlich! endlich! Das ist eine große Zeitung! Der Mann ist uns ein kostbares Gefäß, Das wicht'ge Dinge einschließt--Fand man viel?

Kornet. An sechs Pakete mit Graf Terzkys Wappen.

Octavio. Keins von des Fürsten Hand?

Kornet. Nicht, daß ich wüßte.

Octavio. Und der Sesina?

Kornet. Der tat sehr erschrocken, Als man ihm sagt', es ginge nacher Wien. Graf Altring aber sprach ihm guten Mut ein, Wenn er nur alles wollte frei bekennen.

Octavio. Ist Altringer bei Eurem Herrn? Ich hörte, Er läge krank zu Linz.

Kornet. Schon seit drei Tagen Ist er zu Frauenberg beim Generalleutnant. Sie haben sechzig Fähnlein schon beisammen, Erlesnes Volk, und lassen Euch entbieten, Daß sie von Euch Befehle nur erwarten.

Octavio. In wenig Tagen kann sich viel ereignen. Wann müßt Ihr fort?

Kornet. Ich wart' auf Eure Ordre.

Octavio. Bleibt bis zum Abend.

Kornet. Wohl.

(Will gehen.)

Octavio. Sah Euch doch niemand?

Kornet. Kein Mensch. Die Kapuziner ließen mich Durchs Klosterpförtchen ein, so wie gewöhnlich.

Octavio. Geht, ruht Euch aus und haltet Euch verborgen. Ich denk Euch noch vor Abend abzufert'gen. Die Sachen liegen der Entwicklung nah, Und eh' der Tag, der eben jetzt am Himmel Verhängnisvoll heranbricht, untergeht, Muß ein entscheidend Los gefallen sein.

(Kornet geht ab.)

Dritter Auftritt

Beide Piccolomini.

Octavio. Was nun, mein Sohn? Jetzt werden wir bald klar sein, --Denn alles, weiß ich, ging durch den Sesina.

Max. (der während des ganzen vorigen Auftritts in einem heftigen, innern Kampf gestanden, entschlossen) Ich will auf kürzerm Weg mir Licht verschaffen. Leb wohl!

Octavio. Wohin? Bleib da!

Max. Zum Fürsten.

Octavio. (erschrickt) Was?

Max. (zurückkommend) Wenn du geglaubt, ich werde eine Rolle In deinem Spiele spielen, hast du dich In mir verrechnet. Mein Weg muß gerad sein. Ich kann nicht wahr sein mit der Zunge, mit Dem Herzen falsch--nicht zusehn, daß mir einer Als seinem Freunde traut, und mein Gewissen Damit beschwichtigen, daß er's auf seine Gefahr tut, daß mein Mund ihn nicht belogen. Wofür mich einer kauft, das muß ich sein. --Ich geh zum Herzog. Heut noch werd ich ihn Auffordern, seinen Leumund vor der Welt Zu retten, eure künstlichen Gewebe Mit einem graden Schritte zu durchreißen.

Octavio. Das wolltest du?

Max. Das will ich. Zweifle nicht.

Octavio. Ich habe mich in dir verrechnet, ja. Ich rechnete auf einen weisen Sohn, Der die wohltät'gen Hände würde segnen, Die ihn zurück vom Abgrund ziehn--und einen Verblendeten entdeck ich, den zwei Augen Zum Toren machten, Leidenschaft umnebelt, Den selbst des Tages volles Licht nicht heilt. Befrag ihn! Geh! Sei unbesonnen gnug, Ihm deines Vaters, deines Kaisers Geheimnis preiszugeben. Nöt'ge mich Zu einem lauten Bruche vor der Zeit! Und jetzt, nachdem ein Wunderwerk des Himmels Bis heute mein Geheimnis hat beschützt, Des Argwohns helle Blicke eingeschläfert, Laß mich's erleben, daß mein eigner Sohn Mit unbedachtsam rasendem Beginnen Der Staatskunst mühevolles Werk vernichtet.

Max. Oh! diese Staatskunst, wie verwünsch' ich sie ! Ihr werdet ihn durch eure Staatskunst noch Zu einem Schritte treiben--Ja, ihr könntet ihn, Weil ihr ihn schuldig wollt, noch schuldig machen. Oh! das kann nicht gut endigen--und mag sich's Entscheiden wie es will, ich sehe ahnend Die unglückselige Entwicklung nahen.-- Denn dieser Königliche, wenn er fällt, Wird eine Welt im Sturze mit sich reißen, Und wie ein Schiff, das mitten auf dem Weltmeer In Brand gerät mit einem Mal und berstend Auffliegt und alle Mannschaft, die es trug, Ausschüttet plötzlich zwischen Meer und Himmel, Wird er uns alle, die wir an sein Glück Befestigt sind, in seinen Fall hinabziehn. Halte du es, wie du willst! Doch mir vergönne, Daß ich auf meine Weise mich betrage. Rein muß es bleiben zwischen mir und ihm, Und eh' der Tag sich neigt, muß sich's erklären, Ob ich den Freund, ob ich den Vater soll entbehren.

(Indem er abgeht, fällt der Vorhang.)

