# Der Parasit, oder, die Kunst sein Glück zu machen Ein Lustspiel nach dem Franzoesischen [des Picard]

## Part 6

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Karl. Recht so, mein Vater! Das heißt als ein Mann von Ehre gesprochen--Seien Sie auf Ihr Unglück stolz, Herr von Narbonne!-- Mein Vater kann nichts Strafbares geschrieben haben--O mein Herz sagt mir, dieser Unfall kann eine Quelle des Glückes werden-- Charlottens Hand wird kein Opfer der Verhältnisse mehr sein--Die Größe verschwindet, und Muth gewinnt die furchtsame Liebe.

Mad. Belmont. Was hör' ich! Herr Firmin!

Firmin. Verzeihen Sie der Wärme seines Antheils; sein volles Herz vergreift sich im Ausdruck seiner Gefühle!

Narbonne. So hat denn Jeder von Ihnen sein Geheimniß verrathen-- Herr Firmin! Sie sind der Verfasser dieses Memoire, so ist es billig, daß Sie auch den Ruhm und die Belohnung davon ernten.--Das Gouvernement ernennt Sie zum Gesandten--(Da Alle ihr Erstaunen bezeugen.) Ja, ich bin noch Minister, und ich freue mich, es zu sein, da ich es in der Gewalt habe, das wahre Verdienst zu belohnen.

Mad. Belmont. Was ist das?

Selicour (in der höchsten Bestürzung). Was hab' ich gemacht!

Narbonne (zu Selicour). Sie sehen Ihr Spiel verrathen--Wir kennen Sie nun, Heuchler an Talent und an Tugend!--Niedriger Mensch, konnten Sie mich für Ihres Gleichen halten?

La Roche. Wie schändlich er eine edle That auslegte! Ich weiß alles aus dem Munde der Dame selbst. Dieses Frauenzimmer, für das er Ihnen eine strafbare Neigung andichtete--es ist eine kranke, eine bejahrte Matrone, die Wittwe eines verdienstvollen Officiers, der im Dienst des Vaterlandes sein Leben ließ und gegen den Sie die Schuld des Staats bezahlten.

Narbonne. Nichts mehr davon, ich bitte Sie! (Zu Selicour.) Sie sehen, daß Sie hier überflüssig sind. (Selicour entfernt sich still.)

La Roche. Es thut mir leid um den armen Schelm--Wohl wußt' ich's vorher, mein Haß würde sich legen, sobald es mit seiner Herrlichkeit aus sein würde.

Firmin (drückt ihm leise die Hand). Lassen Sie's gut sein. Wir wollen ihn zu trösten suchen.

La Roche. Basta, ich bin dabei!

Narbonne (zu Karln). Unser lebhafter junger Freund ist auf einmal ganz stumm geworden--Ich habe in Ihrem Herzen gelesen--lieber Firmin! Der Ueberraschung danke ich Ihr Geheimniß und werde es nie vergessen, daß Ihre Neigung bei unserm Glücke bescheiden schwieg und nur laut wurde bei unserm Unglück.--Charlotte! (Sie wirft sich schweigend in ihres Vaters Arme.) Gut, wir verstehen uns! Erwarte alles von deines Vaters Liebe.

La Roche. Und ich will darauf schwören, Karl Firmin ist der wahre Verfasser des Gedichts.

Mad. Belmont. Wär's möglich?

Charlotte (mit einem zärtlichen Blick auf ihn). Ich habe nie daran gezweifelt! (Karl küßt ihre Hand mit Feuer.)

Mad. Belmont. O der bescheidene junge Mann! Gewiß, er wird unser Kind glücklich machen!

Narbonne. Bilden Sie sich nach Ihrem Vater--und mit Freuden werde ich Sie zum Sohn annehmen.--(Halb zu den Mitspielenden, halb zu den Zuschauern.) Diesmal hat das Verdienst den Sieg behalten.--Nicht immer ist es so. Das Gespinnst der Lüge umstrickt den Besten; der Redliche kann nicht durchdringen; die kriechende Mittelmäßigkeit kommt weiter, als das geflügelte Talent; der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der Bühne.

