# Der Alpenkönig und der Menschenfeind

## Part 3

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Andresel. Nun ja, was geht denn den Herrn mein Buckel an? Die Schläg sein unser Mittagmahl.

Der Bub unterm Bett. Sultel! Huß huß!

Der Hund. Hau hau!

Marthe und Salchen. Hinaus mit Ihm!

Rappelkopf. Still! kein Wort reden! (Zieht zwei Geldbeutel hervor und klingelt damit.) Geld ist da! Dukaten sind da! Die gehören alle euch. Verstanden? Also freundlich sein. Die Zähn herblöcken. Euer Gnaden sagen. Gschwind! Bagage! Gschwind!

Marthe. Euer Gnaden, wir bitten um Verzeihung. Gehts, Kinder, küßt den gnädigen Herrn die Hand. Kriegts was zu schenken.

(Die Kinder kriechen hervor.)

Andresel (lacht dumm). Dukaten hat er? Gehts, Buben, küssen wir ihm die Hand.

(Sie küssen ihm die Hände.)

Rappelkopf. Ist schon da die Brut.

Alle drei Buben. Euer Gnaden, bitt gar schön um ein Dukaten.

Christian. Bringts mir auch welche her!

Salchen. Schamts euch nicht? er foppt euch nur.

Rappelkopf. Was will die Frau, da, für die Keischen? Ich kauf s'. Wenn s' noch so teuer ist.

Marthe. Ah, Euer Gnaden machen nur einen Spaß. Was wollten S' denn mit der miserablichen Hütten da?

Rappelkopf. Das geht Sie nichts an. Hat Sie genug an zweihundert Dukaten?

Marthe. O mein, Euer Gnaden! So viel Geld kanns ja gar nicht geben auf der Welt, da wären wir ja versorgt auf unser Lebtag.

Salchen. Aber die Mutter wird doch nicht die Hütten verkaufen? Was wird denn mein Franzel sagen, wenn ers hört?

Andresel. Mutter, gebts ihm s', es ist nicht mehr wert.

Marthe (freudig). O du lieber Himmel, das ist a Glück! Wenn nur mit mein Mann was zu reden wär!

Andresel. Vater! steht der Vater auf! Oder wir verkaufen 's Haus, und den Vatern auch dazu.

Marthe. Du Mann! (Für sich.) Nein, die Schand vorn Leuten! Er kann sich gar nicht rühren. (Während dieser Rede liebkost der Hund Rappelkopf, welcher ihn mit dem Fuß von sich stößt. Der Hund bellt auf ihn. Marthe laut.) Die Hütten kannst verkaufen, stell dir vor, zweihundert Dukaten kriegen wir dafür.

Christian (schlaftrunken). Ist zu wenig--viel zu wenig.

Salchen. Wenn er s' nur nicht hergebet!

Marthe. Der Mann weiß gar nicht, was er redt. Sie können s' habn, Euer Gnaden, es ist schon alles in der Ordnung.

Rappelkopf. Da kauf ich alles, wies da liegt und steht.

Marthe. Oh, da drauß ist auch ein Kuchel, da hängt a Menge Kuchelgschirr.

Andresel. Und Mäus gibts, die sind gar nicht zu bezahlen.

Rappelkopf. Also da ist's Geld. (Wirft ihnen Geld hin.) Und jetzt augenblicklich hinaus. Alle miteinander. In zwei Minuten will ich keins mehr sehen.

Salchen. Sieht die Mutter, jetzt kommts halt doch auf Hinauswerfen heraus.

(Während dieser Reden haben die Kinder alles nach und nach zurückgeräumt, so daß die Bühne im Vordergrunde frei von Möbeln ist, bis auf einen Stuhl, auf den sich Rappelkopf setzt. Franzel tritt ein.)

Franzel. Guten Abend, der Franzel ist da!

Rappelkopf. Da kommt noch so ein Halbmensch.

Salchen. O lieber Franzel, schau nur den Fremden an, dem hat die Mutter die Hütten verkauft, er wirft uns alle 'naus. Er hat s' schon zahlt.

Franzel. Aber Mutter, was fallt Euch denn ein? Gebts ihm doch 's Geld zurück, dem abscheulichen Menschen.

Marthe. Warum nit gar--das gib ich nimmer her, keinen solchen Narren finden wir nicht mehr. Seids still, von dem Geld könnts euch heiraten.

Salchen. Aber wo bleiben wir denn? Es ist ja schon bald Nacht.

Marthe. Ums Geld lassen s' uns überall hinein. He! Kinder, Vater, Mutter, auf, auf! wir müssen alle fort.

Andresel. Das wird ein Auszug werden! Ich freu mich schon.

Marthe. Aufsteh, Mann! (Sie zerrt ihn auf und führt ihn vor.)

Rappelkopf. Ist er krank?

Marthe. Nu, ich glaubs.

Rappelkopf. Schon lang?

Marthe. Halt ja, das ist gar ein altes Übel, das ist noch vom vorigen Jahr.

Rappelkopf. Das ist nicht wahr! es ist vom Heurigen. Hinaus mit ihm!

Christian. Ich geh nicht fort, bis ich das Geld nicht hab. Ich bin ein Mann, ich hab etwas im Kopf, so will ich im Sack auch was haben.

Marthe. Ich hab schon 's Geld, (zieht ihm den Rock an und setzt ihm den Hut auf) so geh nur zu! Jetzt Kinder, packts zusammen. (Hansel nimmt den Hund an einen Strick.) Der Christoph führt die Großmutter. (Sie heben die Alte aus dem Bett und geben ihr die Krücke in die Hand. Auf Hänschen.) Du führst den Hund, und ich mein Mann.

Rappelkopf. Und das Kind? Was gschieht mit den?

Andresel. Das nimm ich unterm Arm.

Rappelkopf. Das ist ein Hottentottenvolk. Seid ihr in Ordnung jetzt?

Andresel. Ja. Eingspannt ists.

Rappelkopf. So fahrt hinaus.

Salchen. So müssen wir denn wirklich fort, aus unsern lieben Haus--

Christoph (weint). Wo wir alle geboren und verzogen sein.

Salchen. Meiner Seel, der Herr kanns nicht verantworten, was der Herr mit seinen Geld für ein Unheil anstift.

Sextett

Salchen. So leb denn wohl, du stilles Haus, Wir ziehn betrübt aus dir hinaus.

Alle (bis auf Rappelkopf). So leb denn wohl, du stilles Haus, Wir ziehn betrübt aus dir hinaus.

Salchen. Und fänden wir das höchste Glück, Wir dächten doch an dich zurück.

Alle. Und fänden wir das höchste Glück, Wir dächten doch an dich zurück.

(Alle Paar und Paar ab. Sie sehen sich im Abgehen betrübt um, auch der Hund.)

Der Hund (mit gedämpftem Ton gegen Rappelkopf im Abführen). Hau hau! Hau hau! (Geht hinten nach, von Hänschen an einem Strick geführt.)

Siebzehnter Auftritt

Rappelkopf allein.

Lied mit Chor

Rappelkopf (springt vom Stuhle auf). Jetzt bin ich allein, und ich will es auch bleiben, Will mich mit der Einsamkeit zärtlichst beweiben, Will gar keine Freunde als Berge und Felsen, Verjag das Schmarotzergesindel wie Gelsen, Will nie dem Geschwätze der Weiber mehr lauschen, Da hör ich viel lieber des Wasserfalls Rauschen. Zu Pagen erwähl ich die vier Elemente, Die regen geschäftig die riesigen Hände. Den Westwind ernenn ich zu meinem Friseur, Der kräuselt die Locken und weht um mich her, Und wenn ich ein hohes Toupet vielleicht schaff, Frisiert mich der Sturmwind gleich à la Giraff. So leb ich zufrieden im finsteren Haus Und lache die Torheit der Menschen hier aus. (Tritt in die Mitte des Theaters zurück und starrt vor sich hin. Nah an der Hütte ertönt sanft der Chor nach der vorigen Melodie.)

Chor. So leb denn wohl, du stilles Haus, Wir ziehn betrübt aus dir hinaus.

Der Hund. Hau hau!

Rappelkopf (tritt vor). Ich will nichts mehr hörn von den boshaften Leuten, Verachte die Dummen und fliehe die Gscheidten. Und ob sie sich raufen, und ob sie sich schlagen, Und ob sie Prozesse führn und sich verklagen, Und ob sie sich schmeicheln, und ob sie sich küssen, Und ob sie der Schnupfen plagt, wie oft sie niesen, Und ob sie gut schlafen, und was sie gegessen, Und ob sie vernünftig sind oder besessen, Und ob wohl in Indien der Hafer ist teuer, Und obs in Pest regnt und in Ofen ist Feuer, Und ob eine Hochzeit wird oder ein Leich: Ha! das ist mir einerlei, das gilt mir gleich. Ich lebe zufrieden im finsteren Haus Und lache die Torheit der Menschen hier aus.

(Wirft sich in den Stuhl. Weiter entfernt von der Hütte:)

Chor. So leb denn wohl, du stilles Haus, Wir ziehn betrübt aus dir hinaus.

Der Hund. Hau hau!

(Es wird finster.)

Rappelkopf (springt auf und schleudert den Stuhl zurück, auf dem er saß). Und wollte die Welt sich auch gänzlich verkehren, Und brächte der Galgen die Leute zu Ehren, Und läge die Tugend verpestet am Boden, Und tanzten nur Langaus die Kranken und Toten, Und brauchten die uralten Weiber noch Ammen, Und stünde der Nordpol in glühenden Flammen, Und schenkte der Wucher der Welt Millionen, Und würden so wohlfeil wie Erbsen die Kronen, Und föcht man mit Degen, die ganz ohne Klingen, Und flögen die Adler und fehlten die Schwingen, Und gäbs eine Liebe, gereinigt von Qualen, Und schien' eine Sonne, beraubt ihrer Strahlen: Ich bliebe doch lieber im finsteren Haus Und lachte die Torheit der Menschen hier aus.

(Er eilt zurück und öffnet die Fensterbalken. Der Wald erglüht im Abendrot, welches auch Rappelkopf bestrahlt. Er blickt düster hinaus und von ferne erschallt der)

Chor. So leb denn wohl, du stilles Haus, Wir ziehn betrübt aus dir hinaus.

Der Hund. Hau hau!

Achzehnter Auftritt

(Langsam verwandelt sich die Bühne in ein kurzes Zimmer in Rappelkopfs Hause. In der Mitte ein großer Spiegel. Tag.)

Sophie, von Malchen und August geführt, setzt sich weinend in einen Stuhl.

Malchen. Trösten Sie sich, teure Mutter, der Vater wird schon wieder zurückkehren, wenn er ausgetobt hat. Wie oft verließ er nicht das Haus und lief den Bergen zu.

Sopie. Ach Kinder, es ist eine böse Ahnung in meinem Busen, die mir jede Hoffnung raubt, daß wir ihn gesund und wohlbehalten wiedersehen.

August. Wenn Sie mir nur erlauben wollten, ihm nachzueilen, ich wollte alle Mittel anwenden, ihn zu besänftgen.

Sopie. O lieber August, Ihr Anblick würde ihn nur noch mehr erbittern. Eben weil er Sie hier weiß, ist sein Unmut zur Raserei geworden.

Malchen. Da kommt Lischen mit Habakuk, vielleicht hat man schon Nachricht gebracht. (Lischen, eilig Habakuk hereinziehend.)

Lischen. Da komm Er herein, Er abscheulicher Mensch, und erzähl Er der gnädgen Frau den ganzen Vorfall! Stellen sich Euer Gnaden vor, mit dem Habakuk hat er den letzten Auftritt gehabt. Wegen dem Habakuk ist er fort.

Habakuk. So red Sie nur nicht so einfältig! Was kann denn ich dafür?

August. Der Mensch ist ja blaß wie eine Leiche.

Sopie. Warum hat Er denn das nicht gleich gemeldet, wo war Er bis jetzt?

Lischen. Auf den Kornboden hat er sich versteckt, aus lauter Angst vor den gnädgen Herrn. Er hat ihn ja ermorden wollen.

Alle. Wen?

Lischen. Der Habakuk den gnädigen Herrn.

Alle. Nicht möglich!

Lischen. Nicht möglich? Er hat es ja selbst gestanden. Sehen Euer Gnaden nur diese Mörderphysiognomie, er bringt noch das ganze Haus um.

Habakuk. Ah, das ist ja eine schändliche Person. Euer Gnaden, ich bitt, daß ich mich an ihr eine halbe Stund vergreifen darf. Das kann ich ja nicht leiden.

Lischen. Untersteh Er sich und komm Er her, Er Missetäter!

Malchen. Du wirst dir doch keinen Scherz erlauben, Lischen?

Sopie. Sprech Er, Habakuk! Warum zittert Er denn so?

Habakuk. Aus lauter Zorn, ich benimm mich gegen alle présence d'esprit, ich war zwei Jahr in Paris, und mir schnappen die Füß zusammen.

August (gibt ihm einen Stuhl). Hier setz Er sich nieder und erklär Er sich über die Sache.

Habakuk. Ich kann mich nicht anders erklären, als daß ich, wie Euer Gnaden geschafft haben, einen Zichori hab ausstechen wollen, und wie der gnädige Herr ein Messer bei mir erblickt, so hat er behauptet, ich hätt ihn gschwind unter der Hand umbringen wollen. Laßt mich nicht zu Wort kommen, schüttelt mich wie einen Zwetschkenbaum und fragt mich, wer mich gedünget hat. Ich wollt antworten: Die gnädige Frau braucht einen Zichori. Wer aber diesen Zichori gar nicht aus mir herauslaßt, das war er. Denn kaum hab ich das Wort: »Die gnädige Frau« gesagt, so ist er schon mit beiden Füßen bis auf den Blavon hinauf gsprungen. Hat immer geschrien, meine Frau will mich ermurden lassen, hat mich einen Habällino hin, den andern her geheißen, und hat mich mir nichts dir nichts bei der Tür hinausgeprügelt. Von wo ich mich aus lauter Desperation auf den Kornboden versteckt hab. Bis mich dieses intrigante Frauengeziefer heruntergestöbert hat und jetzt die ganze Gschicht auf eine so verkehrte Weise erzählt.

Lischen. Er hat einmal behauptet--

Habakuk. Daß Sie eine niedrigdenkende Seele ist, die einen Mann von meinen Meriten ins Unglück hineinstürzen will.

Sopie. Genug jetzt, mit diesen Albernheiten. Also das ist die Ursache, die meinen Mann in solche Wut geraten ließ? Des Mordes hält er mich verdächtig? So ungereimt diese Zumutung auch ist, so gibt sie doch einen Beweis, wie gemein er von meinem Charakter denkt.

Malchen. Beruhigen Sie sich, liebe Mutter!

August. Wer sollte glauben, daß ein gesunder Verstand so phantastisch ausarten könne?

Lischen. Der gnädge Herr hatte immer etwas Düstres an sich, selbst wie er noch Buchhändler war, seine Bücher waren immer gut aufgelegt, er aber nie.

Habakuk. Er ist ein Hypokontrolist. Er hat zu reizende Nerven.

Lischen (lacht). Es ist schrecklich--dieser Mensch war zwei Jahr in Paris und ist so einfältig wie eine Auster.

Habakuk. Diese Person fällt noch von meiner Hand.

Sopie (zu Lischen). Und du hast ihn aus dem Hause laufen sehen?

Lischen. Dem Walde zu. Nachdem er vorher die große Schlacht gegen alle Möbel gewonnen hatte.

Sopie (weint). Ach du lieber Gott, mir bangt um sein Leben, ich kann nicht ruhig bleiben mehr, ich muß selbst hinaus--

August. Bleiben Sie--

Malchen. Ach August, der Alpenkönig hat uns getäuscht.

August. Ich verwünsche diesen Kobold.

(Donnerschlag. Der Spiegel öffnet sich, man sieht auf einem schroffen Fels den Alpenkönig sitzen. Im Hintergrunde ferne Berge, blauer Himmel.)

Sopie. Himmel, welche Erscheinung!

August, Malchen. Er ist es!

Sopie. Wer?

Habakuk. Der Aschenmann!

August, Malchen. Der Alpenkönig!

Lischen. Ach, daß der Himmel erbarm! (Sie schließt die Augen.)

Astragalus. Warum verfluchst du mich?

August (kniet). Du Wunderwesen, dessen Macht wir nicht erklären können und die doch unleugbar, weil sie dem Auge und dem Herzen sich zugleich verkündet, du hast uns deinen Schutz gelobt. Und doch ward diesem Haus so tiefes Leid, daß ich beinahe fürchten muß, du könntest meiner Liebe Glück durch ihres Vaters Unglück nur bezwecken.

Malchen (kniet). Wenn du die Stelle kennst, auf der sein Fuß jetzt irrt, so rett ihn, hoher Klippenfürst.

Sopie (kniet). Ich verstehe meiner Kinder Worte nicht, doch wenn meines Mannes Herz in deinen Zauberbanden liegt und darum sich von uns gewendet hat, so gib es frei, wir werden dich dafür stets als ein gutes Wesen ehren.

Lischen (kniet). Hoher Alpenkönig! Ich traue mich zwar nicht, mein Auge zu dir zu erheben, warum? das weiß ich schon. Aber wenn du ein galanter Herr bist, so wird auch die Bitte einer hübschen Kammerjungfer etwas bei dir gelten.

Habakuk (kniet). Ich bitt auch ganz erschrecklich, Euer gesteinigte Hochheit!

Astragalus (steht auf). Ich dacht es wohl, es wandle euch Besorgnis an, Weil mein Geschäft so üblen Anfang nimmt. Doch sorgt euch nicht, ich bin ein kluger Handwerksmann, Der seinen Vorteil schon voraus bestimmt. Denn wenn man sprödes Erz geschmeidig sucht zu biegen, So lasse man es in des Ofens Bauch erglühn. Und so muß sein Gemüt in Hassesflammen liegen, In wilder Leidenschaft die Seele Funken sprühn, Dann kann ich seinen Wahn durch Überzeugung schmieden Und seiner Denkart ihre alte Form verleihn. Von selbst schließt mit der Menschheit er dann neu den Frieden Und wird sein Wirken freudig ihrem Wohle weihn. Drum, was ihr Böses mögt in baldger Zukunft schauen, Wenn ihr bei nächster Sonne wieder ihn erblickt, Doch mögt ihr kühn und treulich auf mein Wort vertrauen, Noch eh sie sinkt, hat Alpenkönig euch beglückt.

(Sinkt in seine frühere Stellung zurück. Das Spiegelglas erscheint wieder.)

Sopie. So unerklärbar dieses Phantom mir ist, so hat es doch Trost in meine Seele gesendet. Begleitet mich nach dem Gemach, das uns die Aussicht nach dem Wald hin bietet, vielleicht sehen wir schon einige von den Boten zurückkehren, welche ich nach meinem Manne ausgesendet habe. Dort sollt ihr mir auch Aufklärung über den Alpenkönig geben.

(Sophie, Malchen, August ab.)

Neunzehnter Auftritt

Habakuk. Lischen.

Habakuk. Nein, was einem in unserm Haus für Erscheinungen begegnen, das geht in das Entsetzliche hinüber. (Stellt sich vor Lischen.)

Lischen. Nu was gibts, Monsieur? Was sieht Er mich so an?

Habakuk (gezogen). Sie hat mich auf das Schafott bringen wollen, darum hab ich Ihr in dieser Welt nichts mehr zu sagen, als--

Lischen. Daß Er zwei Jahre in Paris gewesen ist, Er abgeschmackter Mensch?

Habakuk. Oui, Mademoiselle, und dieses Bewußtsein gibt mir die Kraft, Ihre Gemeinheit zu verachten. (Geht pathetisch ab.)

Lischen (allein). Und ich werde mich in des gnädgen Herrn Zimmer verfügen und mich in den zerbrochenen Spiegel schauen, ob ich meine ganze Schönheit noch besitze. Dann werde ich die zerrissenen Liebesbriefe zusammenkehren und diese mit Füßen getretenen Empfindungen ganz langsam in den Kamin hineinschaufeln. So sind die Männer, ihre Liebesschwüre sind lauter Wechsel an die Ewigkeit, in diesem Leben zahlt sie keiner aus. Wenn ich wieder auf die Welt komme, so werd ich ein Mann und will gar keine von meinen jetzigen Eigenschaften behalten als die Eroberungskunst.

Ariette Ach, wenn ich nur kein Mädchen wär, Das ist doch recht fatal, So ging' ich gleich zum Militär Und würde General. Oh, ich wär gar ein tapfrer Mann, Bedeckte mich mit Ruhm! Doch ging' die Kanonade an, So machte ich rechtsum. Nur wo ich schöne Augen säh, Da schöß ich gleich drauf hin. Dann trieb' ich vorwärts die Armee Mit wahrem Heldensinn. Da flögen Blicke hin und her, So feurig wie Granaten. Ich sprengte vor der Fronte her, Ermutigt die Soldaten.

Ihr Krieger, schrie' ich, gebt nicht nach! Zum Sieg sind wir geboren, Wird nur der linke Flügel schwach, (aufs Herz zeigend) So ist der Feind verloren. So würde durch Beharrlichkeit Am End der Preis errungen Und Hymens Fahn in kurzer Zeit Von Amors Hand geschwungen.

Dann zög ich ein mit Sang und Spiel, Die Mannschaft parodierte. Wär auch der Lorbeer nicht mein Ziel, So schmückte mich die Myrte. So nützte ich der Kriegskunst Gab, Eroberte--ein Täubchen. Dann dankt ich die Armee schnell ab Und blieb' bei meinem Weibchen. (Ab.)

Zwanzigster Auftritt

Verwandlung Tiefer Wald. Rechts vorne die Köhlerhütte. Eine Tür, neben dieser ein Fenster, auf dem Dache ein praktikables Bodenfenster. Dieser Hütte gegenüber ein großer Eichbaum. Hinter diesem ein Gebüsch. Im Hintergrunde ein kleiner Wasserfall. Es ist spät am Abend.

Rappelkopf mit einem Wasserkrug aus der Hütte. Er hat eine berußte Schlafmütze des Köhlers und einen runden Bauernhut auf dem Kopfe und eine Jacke von ihm an.

Rappelkopf. So!--Der Timon ist fertig, nun fehlt nur noch sein Kompagnon, der Esel--und wenn ich der auch jetzt nicht bin, so war ichs doch--ich war zu gut, das ist mein größter Fehler. Die Leute wollen es nicht. Es gibt manche Menschen, wenn ihnen einer begegnet, der ihnen noch so viele Wohltaten erwiesen hat, so sagen s' höchstens zu einander: Oh, das ist ein guter Kerl, der tut kein Menschen was, der ist froh, wenn man ihm nichts tut. (Gleichgültig grüßend.) Servus! Servus! Lassen wir ihn leben. Wenn aber einer kommt, von dem sie glauben, daß er ihnen schaden könnt, da stoßen s' einander: Oh! das ist ein böser Kerl, vor dem muß man sich in acht nehmen. (Freundliches tiefes Kompliment.) Tänigster Diener! Tänigster Diener! hab ich die Ehr, mein Kompliment zu machen. Wann der anfangt, der kanns. Gleich wieder: Tänigster Diener! Oh, es wird mich noch zum Wahnsinn bringen. In meinem Haus bin ich nicht sicher mehr, mein Weib will mich ermorden lassen. Habt ihrs gehört, ihr verfolgten Stämme dieses edlen Waldes, die der Mensch gar zu zweifachem Tod bestimmt, weil euch die Axt erst fällt und man euch dann noch hinterdrein verbrennt? Habt ihrs gehört? Mein Weib will mich ermorden lassen! Ist denn der Wald so echolos, daß ich der einzge bin, der diese Schandtat ausposaunt?

(Geräusch in den Blättern.)

Ha! wer rührt sich da? ist es ein Mensch, so soll er hervorkommen, damit ich meinen ganzen Vorrat von Impertinenzen in sein Antlitz werfen kann. Heraus da, wer ist hier? Qui vive?

Ein Stier (streckt aus dem Gebüsche, hinter dem er gefressen, seinen Hals gegen Rappelkopf und brüllt sehr stark.) Ohn! (Man sieht ihn jedoch nur bis an die Brust, der Unterleib ist durch das Gebüsch verdeckt.)

Rappelkopf (verblüfft). Diese Antwort hab ich nicht erwartet. (Reißt einen Baumast ab und jagt den Stier fort.) Gehst hinaus! Eine solche Gesellschaft möcht ich mir noch ausbitten.

Einundzwanzigster Auftritt

Voriger. Astragalus tritt hervor.

Astragalus. Du verdienst keine bessere. Warum verfolgst du diesen Sohn meiner Herde?

Rappelkopf. Gib der Herr auf seine Kinder besser acht. Hier ist mein Territorium, und da leid ich weder etwas Vierfüßiges noch etwas Zweifüßiges. Also weiter, Vater und Sohn!

Astragalus. Du irrest, wenn du wähnst, daß du auf eignem Boden herrschest. Mein ist das Tal, in dem die Alpe wurzelt. Drum frag ich dich, wie du es wagst, schamlose Flüche auszuhauchen hier, daß sie wie giftger Reif an diesen Blättern hangen, und eine Welt zu schmähn, in der du Wurm, aus Schlamm gezeugt, in eines Waldes dunklem Busen dich verkriechst, weil du den Strahl des heitren Lebens fürchtest?

Rappelkopf. Was kümmerts dich? (Beiseite.) Der Kerl sieht aus, als wenn er von Gußeisen wär. Dem geh ich gar keine Antwort, den laß ich stehen. (Will in die Hütte.)

Astragalus (zielt auf ihn). Halt an! Gib Leben oder Worte!

Rappelkopf. Was ist das für eine Art, auf einen Menschen zu schießen?

Astragalus. Du bist kein Mensch.

Rappelkopf. Nicht? Das ist das Neuste, was ich höre.

Astragalus. Du hast dich ausgeschlossen aus der Menschen Kreis. Gib Losung, ob du es noch bist. Bist du gesellig wie der Mensch? Du bist es nicht. Hast du Gefühl? Du fühlst nur Haß. Hast du Vernunft? Ich finde keine Spur.

Rappelkopf. Impertinent!

Astragalus. Drum sprich, zu welcher Gattung ich dich zählen soll, der du des Tieres unbarmherzge Roheit mit dem milden Ansehn und der Sprache eines Menschen paarst.

Rappelkopf. Ah, das ist eine gute Geschichte, der führt einen logischen Beweis, daß ich ein Tier bin und noch dazu eins von der neuesten Gattung.

Astragalus. Was hast du zu erwidern mir?

Rappelkopf (beiseite). Ich wollt ihm schon etwas erwidern, wenn er keine Flinten hätte.

Astragalus. Antwort gib, ob du in meine Jagdbarkeit gehörst und meiner Kugel bist verwandt?

Rappelkopf (beiseite). Jetzt muß ich vor dem eine Rechenschaft ablegen, und ich möcht ihn lieber massakrieren. (Laut.) Die Flinte weg. Ich bin ein Mensch, und das ein besserer, als ich sein hätt sollen.

Astragalus. Und warum hassest du die Welt?

Rappelkopf. Weil ich hab blinde Mäusl gespielt mit ihr, die Treue hab erhaschen wollen und den Betrug erwischt, der mir die Binde von den Augen nahm.

Astragalus. Dann mußt du auch dem Wald entfliehen, weil er mißgestalte Bäume hegt, die Erde meiden, weil sie giftge Kräuter zeugt, des Himmels Blau bezweifeln, weil es Wolken oft verhüllen, wenn du den Teil willst für das Ganze nehmen.

Rappelkopf. Was nützt das Ganze mich, wenn mich ein jeder Teil sekkiert. Ich bin in meinem eignen Haus des Lebens nicht mehr sicher.

Astragalus. Machs mit dem Mißtraun aus, das dich belogen hat.

Rappelkopf. Mich haßt mein Weib, mich flieht mein Kind, mich richten meine Dienstleut aus.

Astragalus. Weil dein Betragen jeden tief erbittert, weil du den Haß verdienst, den man dir zollt.

Rappelkopf. Das ist nicht wahr, ich bin ein Mensch, so süß wie Zuckerkandel ist. Nur mir wird jede Lust verbittert, und ich trage keine Schuld.

Astragalus. Die größte, denn du kennst dich selber nicht.

Rappelkopf. Das ist nicht wahr. Ich bin der Herr von Rappelkopf.

(Es fängt an, Nacht zu werden.)

Astragalus. Das ist auch alles, was du von dir weißt. Doch daß du störrisch, wild, mißtrauisch bis zum Ekel bist, vom Starrsinn angetrieben, hin bis an der niedern Bosheit Grenze, und wie die üblen Eigenschaften alle heißen, die du für Vorzug deines Herzens hältst, das ist dir unbekannt, nicht wahr?

(Der Mond geht auf.)

Rappelkopf. Mir ist nur eins bekannt, daß du ein Lügner bist, der eine Menge Fehler mir andichtet, die ich doch nicht hab.

Astragalus. So geh die Wette ein, daß du weit mehr noch hast. Ich führe den Beweis, wenn du dich meiner Macht vertraust und mir gelobst, daß du dich ändern willst.

Rappelkopf. Das hätt ich lang getan, wenn ich das gefunden hätte. Ich vertrau mich keinem Menschen an, Betrug ist das Panier der Welt.

