# Agnes Bernauer

## Part 2

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Albrecht (tritt zu Frauenhoven, Törring und Nothhafft von Wernberg heran). Da seid ihr!

Frauenhoven. Wir haben den ganzen Nachmittag gesucht-

Albrecht. Und gefunden-Nothhafft von Wernberg. Eben jetzt!

Albrecht. Mich, meinst du! Oh, köstlicher Fund! Ich bedanke mich!

Frauenhoven. Ich strich allein und-

Albrecht. Es ging dir besser, wie mir? Du entdecktest ihre Spur!

Frauenhoven. Ja!

Albrecht. Warum treff ich dich erst jetzt!

Frauenhoven. Dies Mädchen--Oh! Wohl hattet Ihr recht, uns zu fragen, ob wir Augen hätten!

Albrecht. Du liebst sie auch?

Frauenhoven. Könnt' ich anders?

Albrecht. Frauenhoven, das ist ein großes Unglück! Ich glaub's dir, daß du nicht anders kannst, es wäre Wahnsinn von mir, wenn ich verlangte, daß du entsagen solltest, hier hört die Lehnspflicht auf. Aber wahrlich, auch die Freundschaft, hier beginnt der Kampf um Leben und Tod, hier fragt sich's, in wessen Adern ein Tropfen Bluts übrigbleiben soll! Du lächelst? Lächle nicht! Wenn du das nicht fühlst, wie ich, so bist du nicht wert, sie anzusehen!

Frauenhoven. Diese pechschwarzen Augen--und wie sie den Hals trägt, recht, um sich daran aufzuhängen und vor allem diese kastanienbraunen Haare-

Albrecht. Faselst du? Goldne Locken sind's, die sich um ihre Stirn ringeln--demütiger ward nie ein Nacken gesenkt und ihre Augen können nicht schwarz sein! Nein, nein, wie Meeresleuchten traf mich ihr Strahl, wie Meeresleuchten, das plötzlich fremd und wunderbar aus dem sanften blauen Element aufzuckt und ebenso plötzlich wieder erlischt!

Frauenhoven. Gnädiger Herr, ich weiß nichts von ihr, es war ein Scherz, den Ihr dem lustigen Ort, wo wir uns befinden, verzeihen mögt!

Albrecht. So flieh! flieht alle, daß nicht Ernst daraus wird, fürchterlicher Ernst, denn ich sage euch, die sieht keiner, ohne die höchste Gefahr!

Achtzehnte Szene

Agnes (erscheint, von Caspar Bernauer und Knippeldollinger begleitet).

Albrecht (ausbrechend). Da ist sie!

Nothhafft von Wernberg und Frauenhoven. (zugleich). Wunderschön, das ist wahr!

Törring. Und der Engel von Augsburg, das ist auch wahr! Dort steht ja der Vater!

Albrecht. Kennst du sie?

Törring. Man nennt sie hier allgemein den Engel von Augsburg. Sie ist die Tochter eines Baders, gnädiger Herr! Wir ließen uns vorhin die Bärte bei ihm stutzen. (Er zeigt auf seinen Bart.) Seht Ihr? Der Mann ist geschickt, nicht wahr? Es könnte dem Eurigen auch nicht schaden! (Er tritt auf die Gruppe zu.) Guten Abend, Meister, da sehen wir uns schon wieder!

Caspar Bernauer. Viel Ehre für mich!

Albrecht (folgt, zu Agnes). Jungfrau, warum erteilt Ihr auf den Turnieren nicht den Dank? Was durch Eure Hände geht, ist edler, als Gold, und köstlicher, als Edelstein, wär's auch nur ein grüner Zweig, vom nächsten Busch gebrochen!

Caspar Bernauer. Meine Tochter ist an solche Reden nicht gewöhnt, gnädiger Herr; fragt sie aus den sieben Hauptstücken unseres allerheiligsten Glaubens, und sie wird nicht verstummen!

Agnes. Nicht doch, Vater, der Herzog von Bayern will seine Braut so anreden und macht bei der Bürgerstochter von Augsburg nur die Probe!

Caspar Bernauer. Wohl gesprochen, Agnes, aber zum Antworten hast du keine Vollmacht, darum danke Seiner Fürstlichen Gnaden für die Herablassung und komm!

Albrecht. Warum, störriger Alter? Noch habe ich ja kaum den Ton ihrer Stimme gehört, noch kamen die vierundzwanzig Buchstaben nicht alle über ihre Lippen! (Abgewandt.) Ha, ich könnt' sie bitten: sprich dies Wort aus, oder das, oder jenes, nicht des Sinns wegen, nur damit ich erfahre, mit wieviel Musik dein Mund es beschenkt! (Zu Caspar Bernauer.) Ihr geht doch? So müßt Ihr mir gestatten, Euch zu begleiten! Euer Schatten weicht eher von Euren Schritten, als ich!

Caspar Bernauer. Euresgleichen würde neidisch werden!

Törring (faßt Caspar Bernauer unter dem Arm). Bayerns Herzog hat hier seinesgleichen nicht!

(Er führt ihn ab, Nothhafft von Wernberg gesellt sich zu Knippeldollinger und folgt.)

Albrecht (zu Agnes, die ebenfalls folgt und sich ihrem Vater zu nähern sucht). Mädchen, ich täuschte mich nicht, du hast heut morgen nach mir gesehen. Galt der Blick mir oder meinem venezianischen Helmbusch?

Agnes. Ich zitterte für Euch, gnädiger Herr, Ihr schautet zu mir herüber und rittet gegen den Feind, ich dachte, Ihr müßtet Schaden nehmen!

Albrecht. Und das war dir nicht gleichgültig?

(Sie verlieren sich, nebst den andern, im Gewimmel.)

Barbara (mit Martha und andern Mädchen hervortretend). Ha, ha, ha! Sagt' ich's euch nicht, daß es besser sei, zu Hause zu bleiben? Nun freut euch, wenn ihr könnt!

Martha. Ei, dies ist ja gut! Wenn der Herzog sie mitnimmt, steht sie uns ebensowenig mehr im Wege, als wenn sie gen Himmel fährt!

Barbara. Mitnimmt! Wo denkt ihr hin! Er wird sie schon hier lassen! Aber sie wird noch im Wert steigen, nun auch er genickt hat! Seht euch nur um, wie alles kuckt und flüstert!

(Gehen vorüber.)

Nothhafft von Wernberg (kommt mit Knippeldollinger, ihm tritt entgegen:)

Bürgermeister Nördlinger (mit einem Fräulein). Herr Ritter--meine Base, Juliana Peutinger--sie hat des Kaisers Majestät schon als vierjähriges Jungfräulein im Namen des Rats mit einer kleinen lateinischen Rede begrüßt! Ich möchte sie Seiner Gnaden gern aufführen!

Nothhafft von Wernberg (mit ihm weitergehend). Nachher, Herr Bürgermeister, nachher! (Leise.) Der Herzog ist von den Bürgern so warm empfangen worden, sie haben sich die Kehle fast abgeschrien, Ihr seht, er bezeugt sich dankbar!

(Gehen vorüber.)

Albrecht (kommt mit Agnes). Nun sprich auch du! Was sagst du dazu?

Agnes. Mir ist, als hört' ich eine Geige mehr, süß klingt's, auch träumt sich's schön dabei.

Albrecht. Ich frage dich, ob du mich lieben kannst!

Agnes. Das fragt eine Fürstentochter, doch nicht mich!

Albrecht. O sprich!

Agnes. Schont mich, oder fragt mich, wie man ein armes Menschenkind fragt, von dem man glaubt, daß ein ungeheures Unglück es treffen könne!

Albrecht. Dies Wort-

Agnes. Legt's nicht aus, ich bitt Euch, zieht niemanden die Hand weg, wenn er sie über die Brust hält.

Caspar Bernauer (der mit Törring gefolgt ist und sich Agnes zu nähern sucht). Morgen, Herr Graf, morgen!

Knippeldollinger (der mit Nothhafft von Wernberg neben den beiden geht, zu Törring). Einen, der das Blut besprach, habe ich selbst gekannt.

Albrecht. Agnes, du verkennst mich! Ich liebe dich!

Caspar Bernauer (tritt zwischen beide). Komm, mein Kind! Auch du hast Ehre zu verlieren! (Er will sie abführen.)

Albrecht (vertritt ihm den Weg). Ich liebe sie, aber ich würd's ihr nimmer gesagt haben, wenn ich nicht hinzufügen wollte: ich werb um sie!

Nothhafft von Wernberg. Gnädiger Herr!

Frauenhoven. Albrecht! Kennst du deinen Vater?

Törring. Denkt an Kaiser und Reich! Ihr seid ein Wittelsbach! Es ist nur zur Erinnerung.

Albrecht. Nun, Alter, fürchtest du noch für ihre Ehre?

Caspar Bernauer. Nein, gnädiger Herr, aber--Vor funfzig Jahren hätte sie bei einem Turnier nicht einmal erscheinen dürfen, ohne gestäupt zu werden, denn damals wurde die Tochter des Mannes, der dem Ritter die Knochen wieder einrenkt und die Wunden heilt, noch zu den Unehrlichen gezählt. Es ist nur zur Erinnerung!

Albrecht. Und nach funfzig Jahren soll jeder Engel, der ihr gleicht, auf Erden einen Thron finden, und hätte ihn einer ins Leben gerufen, der dir noch die Hand küssen muß. Dafür soll mein Beispiel sorgen!

Frauenhoven. Er ist verrückt! (Zu Albrecht.) Nur hier nicht weiter, nur heute nicht! Alles wird aufmerksam und auf jeden Fall muß die Sache geheimbleiben!

Albrecht (zu Caspar Bernauer). Darf ich morgen kommen?

Caspar Bernauer. Wenn ich auch nein sagte, was hülfe es mir?

Albrecht. Agnes?

Agnes. Wer rief mir doch heute morgen zu: geh ins Kloster? Mir däucht, ich sehe jetzt einen Finger, der mich hineinweist!

Albrecht. Dir schwindelt! Halt dich an mich! Und ob die Welt sich dreht, du wirst fest stehen!

Caspar Bernauer. Gnädiger Herr, wir beurlauben uns! Die fällt mir sonst um!

(Ab mit Agnes und Knippeldollinger.)

Albrecht. Ich muß--(Will folgen.)

Frauenhoven. Keinen Schritt! Ihretwegen, wenn nicht deinetwegen.

Albrecht. Du kannst recht haben!

Frauenhoven. Sprich jetzt auch mit anderen! Sprich mit allen! Und lange, ich bitte dich, lange!

Albrecht. Ich hätte so gerne noch meinen Namen von ihren Lippen gehört! Doch--wer will denn auch Weihnacht, Ostern und Pfingsten auf einmal feiern!--(Er mischt sich unter die übrigen Gäste. Ihm tritt Bürgermeister Nördlinger mit dem Fräulein entgegen.)

Zweiter Akt

Augsburg.

Erste Szene

Herberge. Früher Morgen.

Nothhafft von Wernberg. Die Sache wird ernst.

Törring. Sehr ernst! Die Linie steht auf zwei Augen-

Frauenhoven. Das doch nicht! Auch Herzog Wilhelm hat einen Sohn!

Törring. Der schwach und siech ist und kaum vier Jahre alt. Habt ihr das Jammerbild nie gesehen? Ich weiß, was ich sage. Die Münchner Linie steht so gut, wie auf zwei Augen, und wenn es uns nicht gelingt, Albrecht von seinem tollen Vorhaben abzubringen, so zeugt er Kinder, die nicht einmal den unsrigen ebenbürtig sind! Was wird dann? Schon jetzt ist Bayern in drei Teile zerrissen, wie ein Pfannkuchen, um den drei Hungrige sich schlugen, soll's ganz zugrunde gehen? Und das wird geschehen, wenn wir dies Unglück nicht verhindern können.

Nothhafft von Wernberg. Das ist wahr! Von allen Seiten würden sie heranrücken, vergilbte Pfandbriefe auf der Lanzenspitze und vermoderte Verträge auf der Fahnenstange, und wenn sie sich lange genug gezankt und gerauft hätten, würde nach seiner Weise der Kaiser zugreifen, denn während die Bären sich zerreißen, schnappt der Adler die Beute weg.

Törring. Also laßt uns vorbeugen!

Frauenhoven. Aber wie? Vergeßt nicht, daß er ebensoviel welsches Blut im Leibe hat, als deutsches, und vielleicht noch einige Tropfen mehr! Ich sage euch, wenn ihr's noch nicht wißt, die Mutter ist mächtig in ihm, und wenn ihr ihm nicht neue Augen einsetzen könnt, daß ihm das Schöne häßlich vorkommt und das Häßliche schön, so richtet ihr nichts bei ihm aus. Ihr hättet ihn diese Nacht auf dem Heimgang hören sollen! Und ist es denn nicht auch wahr? Wer kann sich rühmen, einen solchen Engel gesehen zu haben, eh' er nach Augsburg kam?

Törring. Glaubt ihr denn, ich bin der Narr, der das Feuer besprechen will? Das fällt mir nicht ein! Mag's brennen, bis er Asche ist, was kümmert's mich. Aber ich denke, die Nahrung wird diesem Feuer etwas billiger zu kaufen sein, als mit Thronen und Kronen! Zum Teufel, ist denn Albrecht nicht auch so ein Weib wert? Laßt mich nur machen! Ich sage euch, es sind wackre Menschen, vernünftige Leute! Stand der Alte nicht gestern abend da, als ob sich ihm der Erzengel Michael zum Eidam antrüge? Und das Mädchen--schaute sie nicht drein, als ob sie zum Fliegen aufgefordert würde, anstatt zum Tanzen? Gebt nur acht, ich bringe alles ins gleiche! (Ab.)

Frauenhoven. Der irrt sich! In Vater und Tochter, wie im Herzog!

Nothhafft von Wernberg. Aber ins Gewissen müssen wir ihm reden!

Frauenhoven. Warum? Um es getan zu haben, nicht wahr, wenn wir dereinst zur Rechenschaft gezogen werden! Borg dir die Posaune des Jüngsten Gerichts und versuch's, ob du Gehör bei ihm findest. Ich bin zufrieden, wenn's nur einstweilen geheimbleibt. Er ist beim faulen Wenzel in Prag auferzogen worden, und was der bei Geigen--und Flötenklang in ihn hineingesät hat, das bringt Gott selbst nicht wieder heraus!

Zweite Szene

Albrecht (tritt ein). Nun, Freunde? Was sagt ihr zu diesem Morgen, der die ganze Welt vergoldet? Nicht wahr, den hätt' man nicht schöner bestellen können? Aber, wie steht ihr denn da? Als ob ihr augenblicklich ins Gefecht solltet und euern Letzten Willen noch überdächtet!

Nothhafft von Wernberg. Da hoff ich anders auszusehen, obgleich ich keinen Vater mehr habe, der mich wieder heraushaut, wenn's zu arg wird, wie Ihr!

Albrecht. Ja, das ist wahr, da hab ich einen Vorzug vor euch. Ich darf dem Tode keck in den Rachen springen, wie die Maus dem Löwen. Noch zwischen Kauen und Schlucken reißt mich der wieder heraus, der mich gemacht hat.

Nothhafft von Wernberg. Das habt Ihr bei Alling erfahren! Wäre er nicht gewesen-

Albrecht. So würde mein erster Kampf auch mein letzter geblieben sein, und ich hätte nie gehört, wie süß die Siegstrompete tönt; was red ich, ich hätte Agnes nie erblickt!

Nothhafft von Wernberg. Agnes!

Albrecht. Oh, ich bin ihm Dank schuldig, unendlichen Dank, mehr Dank, wie irgendein anderer Sohn dem seinigen!

Nothhafft von Wernberg. Fühlt Ihr's?

Albrecht. Erst seit gestern ganz! Dies Auge, das ich jetzt freiwillig schließen möchte, wie den Mund, wenn er seine Kirsche hat--gebrochen und mit Sand verschüttet würde es ohne ihn ja längst daliegen, ein Spiegel, der zerschlagen ward, bevor er das Bild noch auffangen konnte, das er festhalten sollte, und dies Herz--die Stunde wird kommen, wo ihr mich verstehen könnt, dann mehr! Seht, wenn euch auch einmal wird, als ob sich Millionen Lippen in euch auftäten, und alle saugen wollten--wenn ihr nicht mehr wißt, ob's Lust oder Schmerz ist, was euch die Seele im Wirbel herumjagt--wenn euch die Brust zerspringen will und ihr, von Frost und Hitze zugleich geschüttelt, zweifelnd ausruft: doch wohl Lust, ja, wohl Lust, Wollust! und dies dunkle Wort, wie ich, nun auf einmal begreift, indem ihr's, schwindelnd zwischen Leben und Tod, mit eurem letzten Atemzug nachschafft--dann--dann! Eher nicht!

Nothhafft von Wernberg. Gnädiger Herr--eine Bitte!

Albrecht. Was ist's?

Nothhafft von Wernberg. Stellt Euch Euren Vater einmal vor!

Albrecht. Nun?

Nothhafft von Wernberg. Aber recht deutlich, mit dem Gesicht, das er hat, wenn er einem einen Wunsch nicht bloß abschlagen, sondern in den Hals zurückjagen will, so daß man ihn, wenn man um Honigbirnen gekommen ist, um Stockprügel anspricht!

Albrecht. Gut!

Nothhafft von Wernberg. Seht Ihr ihn? So fragt Euch, ob Ihr das vom Spiegel und vom Wirbel und von Lust und Schmerz, und von Leben und Tod vor ihm wiederholen möchtet!

Albrecht. Vor ihm? Ja! Ich habe eine Mutter gehabt! Vor euch? Nicht um die Welt!

Nothhafft von Wernberg. Eure Mutter war eine Prinzessin von Mailand!

Albrecht. Und sollte sie meine Mutter nicht auch geworden sein, wenn sie keine Prinzessin von Mailand gewesen wäre? Sie war das Muster eines Weibes--hätte das nicht genügt?

Nothhafft von Wernberg. Ich zweifle! Wenn aber--so würde Euch jetzt nichts mehr hindern, Euch mit dem Engel von Augsburg zu verbinden, denn Ihr würdet Bayerns Thron nie besteigen!

Albrecht. Nicht, Herr Ritter? Wer weiß! Wer weiß, was geschähe, wenn ich mein Volk zum Spruch aufriefe, wenn ich sagte: Seht, ich soll nicht würdig sein, euch zu beherrschen, weil mein Vater eine eurer Töchter zu sich erhoben hat, eine, die ihm am besten ins Ohr sagen konnte, was euch fehlt! Ich soll nicht würdig sein, euch zu beherrschen, weil die Teilnahme für euch mir von der Mutter her angeboren ist, weil ich euch verstehe, ehe ihr noch den Mund auftut, weil mir's im Blut liegt, euch beizuspringen! Ich soll nicht würdig sein, euch zu beherrschen, weil ich euer Bruder bin! Wer weiß, was sie tun werden, die alten treuen Bavaren, wenn mein Sohn sie dereinst nach Urväter-Weise in einem Eichenhain zusammenruft und so zu ihnen spricht; wer weiß, ob sich dann nicht der letzte Bauer in einen Ritter verwandelt und ob die Sense nicht gegen das Schwert schlägt, daß das ganze deutsche Reich zu wackeln anfängt, und der große Karl zu Aachen in seinem Sarg erschrocken nach der Krone greift!

Nothhafft von Wernberg. Gnädiger Herr, verkennt mich nicht! Nothhafft von Wernberg kann Euch nicht raten, in den Abgrund zu springen, aber er springt nach, wenn Ihr's tut!

Albrecht. Das ist ein Wort! So kommt!

(Alle ab.)

Baderstube.

Dritte Szene

Agnes. Hier, mein Vater?

Caspar Bernauer. Hier, meine Tochter, hier erwarten wir ihn, nirgends sonst. Wie ist dir denn zumute? Etwas anders, wie gewöhnlich, wenn du die Augen aufmachst, nicht wahr? Nun ja, das ist natürlich. Die Mädchen zögern gern aus Angst oder Neckerei noch eine Weile vor der Tür, wenn sie auch wirklich schon hinein wollen und wissen, daß der Bräutigam ihnen längst die Arme entgegenstreckt. Du armes Ding hast nun nicht einmal Kranzwindens-Zeit.

Agnes. Also, Euer Entschluß ist gefaßt?

Caspar Bernauer. Es gibt nur ein Mittel! Und wenn du nur bereit bist: Für ihn möcht' ich stehen!

Agnes. Ja?

Caspar Bernauer. Ich kenn's, wenn's auch lange her ist, daß ich selbst an dem Fieber litt! Eine treue, redliche Seele! (Er zieht etwas aus der Tasche.) Was hab ich da?

Agnes. Mein Kettlein! Aber, das hab ich ja gestern abend gleich wieder weggelegt!

Caspar Bernauer. Kann doch wohl nicht sein, denn Theobald hat's auf der Straße gefunden, als er hinter uns herschritt!

Agnes. Theobald?

Caspar Bernauer. Ja, den hast du ebensowenig gesehen, wie ich! Was sagst du? Der närrische Junge ist uns, solange die Reichsknechte hier sind, jeden Abend heimlich gefolgt, wenn wir das Haus noch verließen, und hat auf uns gewartet, bis wir wieder heimgingen. Nie hat er sich etwas davon merken lassen, und wenn ich's jetzt weiß, so kommt das daher, daß er deine Kette fand! Ist das einer?

Agnes. Es freut mich, daß er so an Euch hängt!

Caspar Bernauer. Nun dächt' ich, es wär' die beste Antwort für den tollköpfigen Herzog, wenn du dem Theobald rasch, noch heute morgen, ja augenblicklich die Hand reichtest! Du bist ihm ja doch den Finderlohn schuldig!

Agnes. Wie?

Caspar Bernauer. Ihr beide trätet ihm dann Hand in Hand entgegen, ich aber stände segnend hinter euch und riefe ihm zu: So war's im Himmel beschlossen, und was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!

Agnes. Vater!

Caspar Bernauer. Fürchte keine Gewalttat! Auch hier stehen wir auf roter Erde, auch in Augsburg ist Westfalen, ja--doch, wozu das! Nun, Jungfer Tochter, was sagt Ihr? Der Bräutigam ist, wie ich hoffe, bereit und sogar der Priester nicht weit! Sprich, soll's so sein?

Agnes. Nie! In Ewigkeit nicht!

Caspar Bernauer. Das heißt: heute nicht!

Agnes (glühend). Es heißt-

Caspar Bernauer (unterbricht sie). Morgen! Morgen! Morgen!

Vierte Szene

Theobald (tritt hinter einem Schrank hervor). Wozu, Meister? Ich kann's auch heute hören!

Caspar Bernauer (zu Agnes). Da siehst du jetzt!

Theobald. Scheltet sie nicht! Ich selbst bin schuld! Ich hätte Euch nicht folgen sollen! Diesmal nicht!

Agnes. Theobald, es tut mir weh!

Theobald. Ich weiß, Jungfer, ich weiß! Und ich fühl's ja auch, daß ich--Du mein Gott, ich darf ja nicht einmal von Unglück sprechen, Ihr könnt mir ja gar nicht beschieden sein, ich brauche Euch ja nur anzusehen, um das zu erkennen. Meister--darf ich ein wenig fortgehen? In einer Stunde bin ich wieder da, um diese Zeit kommen so nicht viele! (Er faßt Agnes Hand.) Agnes, ich wollte, ich könnt' einem andern meine Liebe zu Euch abtreten, nicht um mein Herz zu erleichtern, o Gott, nein, es wäre das größte Opfer, das ich bringen könnte, und ich brächte es nur, um Euch glücklich zu machen, aber glücklich würdet Ihr, das glaubt mir, wenn das, was (er schlägt sich auf die Brust) hier glüht, eine bessere Brust schwellte! (Ab.)

Fünfte Szene

Caspar Bernauer. Ich glaub's auch!

Agnes. Zürnt mir nicht, Vater! Hätt' ich geahnt-

Caspar Bernauer. Kein Wort mehr davon! Es ist nun, wie's ist! Wer kann gegen die Sterne! Aber mich graust, Agnes, wenn ich an deine Zukunft denke, denn (er zeigt auf ein Barbierbecken) so ein Ding und eine Krone--es geht nimmermehr gut!

Agnes. Ihr ließt mich vorhin nicht ausreden! Nicht Theobald, nicht irgendeinem könnt' ich meine Hand reichen-

Caspar Bernauer. Und warum nicht?

Agnes. Weil ich--Ich dürfte nicht!

Caspar Bernauer. So sitzt er dir schon im Herzen? Verflucht sei dies Turnier!

Agnes. Aber--Zu der Mutter aller Gnaden könnt' ich mich flüchten--ins Kloster könnt' ich gehen!

Caspar Bernauer. Und deinen Herzog draußen lassen?

Agnes. Nein!

Caspar Bernauer. Was hätt'st du dann im Kloster zu tun?

Sechste Szene

Törring (tritt ein). Guten Morgen, Meister! Auch schon da, Jungfer? Die Hand her, wackrer Alter! Ich hab Euch gestern abend liebgewonnen. Schöne Agnes, wäre des Törrings Schädel für die Honigreime und Schmeichelsprüche des Heinrichs von Ofterdingen und Wulframs von Eschenbach nicht immer zu hart gewesen: jetzt gäbe er alles wieder von sich, was er je verschluckt hätte! Aber der hat nichts behalten, als das Eia popeia von der Ammenstube her, darum kann ich Euch nur sagen: Ihr seid's wert, daß Ihr einem Herzog gefallt!

Agnes. Schon das ist zu viel, Herr Graf!

Törring. Bewahre! Wenn Kaiser Wenzels Bademädchen Euch geglichen hat, so will ich's ihm verzeihen, daß er eine Weile glaubte, er sei mit ihr allein auf der Welt. Nur das verzeih ich ihm nicht, daß er's zu weit trieb und sich gar nicht wieder zur Besinnung bringen ließ, denn sie mußt' es büßen, und das hätt' er vorher wissen können! (Er sieht Agnes scharf an.) Arme Susanna, junges, schönes Kind, wie bleich magst du gewesen sein, als die starren, grimmigen Böhmen dich verbrannten und von ihren eignen Bischöfen und Erzbischöfen dabei angeführt wurden, als ob's ein heilig Werk wäre! Du warst gewiß keine Zauberin, oder es steht auch hier eine vor mir!

Caspar Bernauer. Das geschah im fröhlichen Lande der Geigen?

Törring. Es sollte mich wundern, wenn man noch keinen Reim darauf gemacht hätte! So etwas singen die Leute gern, wenn sie lustig sind!

Caspar Bernauer. Was sagst du, meine Tochter?

Agnes. Pfui über den Kaiser, daß er's geschehen ließ!

Törring. Er lag im Turm, und sein Adel stand zornig mit blankem Schwert vor der Pforte, er wußte nicht, wer zunächst bei ihm anpochen würde, ob der Henker oder der Befreier!

Agnes. So war's ihr Schicksal, und sie wird schon einmal erfahren, warum.

Törring. Bernauer, ein Wort mit Euch!

Caspar Bernauer. Geh, Agnes, und lege dein Kettlein weg!

Agnes (ab).

Siebente Szene

Caspar Bernauer. Wir sind allein!

Törring. Nun, Alter, was denkt Ihr eigentlich? Sagt an!

Caspar Bernauer. Ich weiß nicht, was Ihr meint!

Törring. Nun, ich glaube, der Herzog wird heute morgen geradeso aufgestanden sein, wie er sich gestern abend niedergelegt hat.

Caspar Bernauer. Acht Stunden sind allerdings nur acht Stunden!

Törring. Der Meinung bin ich auch, darum müssen wir beizeiten einig werden! Also--(nimmt ein Rasiermesser, wie spielend) Euer Schwert, nicht wahr?

Caspar Bernauer. Wie es Euch gefällt!

Törring. Meins ist etwas länger! (Schlägt an sein Schwert.) Ja, was ich sagen wollte! Der Herzog liebt Eure Tochter--er liebt sie--wenn jedes Eheweib so geliebt würde, sie hätten den Himmel auf Erden!

Caspar Bernauer. Vor dem Trunk und nach dem Trunk, es ist ein Unterschied und muß auch sein!

Törring. Ihr seid verheiratet gewesen oder noch, und wollt Euch entschuldigen! Ja, ja, das kann ich Euch beteuern, er brennt, wie ein Johannisfeuer, wenn der Wind gut bläst, aber (Nimmt das Barbierbecken.) Euer Helm?

Caspar Bernauer. Ist man in Bayern so spaßig?

Törring. Nein, nein, es ginge, seht! (Er macht, als ob er Caspar Bernauer das Becken aufsetzen wollte.) Habt Ihr das noch nicht versucht? Ich versichre Euch, der Herzog lodert, daß die Kastanien gar werden, wenn er sie nur ansieht, doch was das Werben betrifft, das Heimführen--(Er nimmt den Schnepper.) Dies Ding da, Zick Zack, Trick Track, führt Ihr wohl im Wappen, oder ist's ein nackter Arm mit einer sprudelnden Ader, wie ich's draußen an der Tür gemalt sah?

Caspar Bernauer. Keins von beidem, Herr Graf!

Törring. Nicht? Nun also, kurz weg, wenn's überhaupt noch nötig ist! Die Liebe des Herzogs stammt aus dem Herzen, die Werbung nun, das war, Ihr habt's ja selbst gesehen, ein Rausch vielleicht sogar, was weiß ich's, ein Weinrausch!

